NR- Kurier-Mitarbeiter Jürgen Grab bat etliche Neuwieder Bürger/Bürgerinnen bzw. „Freunde der Stadt“ um ihre Meinung hinsichtlich des Jahresverlauf 2020 und Gedanken über ihre Hoffnungen und Wünsche für das kommende Jahr gebeten.

Neuwied. Junge und ältere Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen waren bereit ihre Meinungsbeiträge hinsichtlich ihrer Erfahrungen im abgelaufen sowie über ihre Vorstellungen und Wünsche für das neue Jahr zu sprechen. Dabei hat NR-Kurier-Mitarbeiter Jürgen Grab eher nach dem Zufallsprinzip ihm bekannte Menschen mit der Bitte angesprochen, ein paar Sätze zu formulieren, die jeweils ihre persönlichen Eindrücke hinsichtlich ihrer individuell erlebten Bereiche wiedergeben, in den sie ihre entsprechenden Erfahrungen gemacht haben bzw. wie ihre Hoffnungen für die kommenden Monaten in möglicherweise einem weiteren Corona-Jahr zum Ausdruck bringen.

Bei den befragten Mitbürgern und Mitbürgerinnen handelt es sich um die Schülerin Sonja Kowallek, die in den vergangenen Monaten als Vorsitzende des städtischen Jugendbeirates von sich reden gemacht hat. Weiterhin haben sich der frühere Sprecher des Aktionsforums Neuwied, Franz Becher in Sachen Innenstadtpräsentation und Einzelhandel ; der katholische Diakon i. R. Lothar Spohr und der evangelische stellvertretende Presbyteriumsvorsitzende der Marktkirchengemeinde Uwe Selzer zur Zukunft der Kirchen und ihrer Aufgaben; die Stadtratsabgeordnete und in etlichen Ausschüssen und Organisationen engagierte Inge Rockenfeller , der Geschäftsführer von „...and more-Veranstaltungstechnik GmbH“, Paul Schäfer und der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Neuwied, Manfred Scherrer entsprechend geäußert und dabei einige interessante Aspekte zur Sprache gebracht. Dabei sind die Anmerkungen frei von parteipolitischen und interessenspolitischen Interessen und ausschließlich geprägt persönlichen Eindrücken und individuellen Ansichten, über die sich durchaus im guten Sinne diskutieren lässt.


Sonja Kowallek gibt ihren Jahresrückblick als Gymnasiastin und Vorsitzende des städtischen Jugendbeirates von Neuwied:

„Trotz der COVID-19-Pandemie kann der Jugendbeirat Neuwied als Interessenvertretung der Neuwieder Jugendlichen auf ein erfolgreiches Jahr 2020 zurückblicken. Bereits im Januar starteten wir mit zwei Veranstaltungen in das neue Jahr: Zum einen organisierten wir in Kooperation mit der Jugendaktion „Wir gegen Rassismus“ im Bistum Trier, den Filmbetrieben Weiler und dem Kinder- und Jugendbüro ein Kinoevent gegen Rassismus. Dabei kamen insgesamt über 600 Schülerinnen und Schüler im Metropol-Kino, diskutierten über den gezeigten Film und über Rassismus in unserer Gesellschaft.

Zum anderen fand im Januar unsere 1. Neuwieder Klimakonferenz statt, in der von den Jugendlichen vielfältige und konstruktive Ideen zum Thema Klimaschutz in Neuwied gesammelt wurden. An diesen Ideen konnten wir während der Zeit des Lockdowns weiterarbeiten und haben daraus das umfangreiche Ideenpapier „Klima- und Umweltschutz in der Stadt Neuwied“ erstellt, welches wir im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität vorstellten und zudem auf der Website der Stadt einsehbar ist. Sowohl die Klimakonferenz als auch das Papier stießen auf eine erfreulich hohe Resonanz. In jüngster Vergangenheit haben wir uns besonders mit der Frage auseinandergesetzt, wo und wie man in Neuwied freie Flächen insbesondere für Jugendliche attraktiver gestalten kann.

Das Thema Klimaschutz bleibt weiterhin ein zentrales Anliegen des Jugendbeirats, und wir setzen darauf, dass die Ideen aus unserem Klimapapier nun von der Kommunalpolitik aufgegriffen und umgesetzt werden. Der Schutz der Mitwelt und der Kampf gegen den Klimawandel muss auch auf kommunalpolitischer Ebene eine klare Priorität sein! Gerne möchten wir uns wieder persönlich treffen, unsere 2021 anstehende Jugendbeiratswahl regulär durchführen und mit etwas Glück auch unser 20-jähriges Jubiläum nachholen, das wir eigentlich dieses Jahr gefeiert hätten. Insgesamt blicken wir dem neuen Jahr positiv entgegen und sind zuversichtlich, dass wir an unsere bisherigen Erfolge anknüpfen können.


Der in Rengsdorf wohnende, aber mit dem Neuwieder Geschehen immer noch sehr vertraute frühere Sprecher der „des Neuwieder Aktionsforums, Franz Becher, kann immer noch kompetent und „herzblutmäßig“ zu entsprechenden Fragen Stellung nehmen:

„Tot gesagte leben länger, oder Handel ist stetiger Wandel

Wegen der Konkurrenz in den Gewerbegebieten auf der sogenannten „grünen Wiese“ und dem stetig steigenden E - Commerce stand der innerstädtische Einzelhandel schon vor der Corona Pandemie unter erheblichen Druck.
Man muss kein Prophet sein, um vorherzusehen, dass nach dem ersten Lockdown im Frühjahr und nach der nun zweiten Schließung des Non Food Einzelhandels, viele Ladentüren verschlossen bleiben bzw. in naher Zukunft für immer schließen werden.
Vielen bisher als Einzelhandelsflächen genutzten Ladenlokalen in den Innenstädten steht eine gravierende Veränderung bevor.
Vielleicht ist das eine Chance für Kunst und Kultur sich in den stark frequentierten Lauflagen zu präsentieren.

Auch für kleinere Manufakturen, Reparaturwerkstätten und Dienstleistungen, sowie für neue, kreative Geschäftsideen bestünde hier die Möglichkeit der besseren Wahrnehmung durch die Laufkundschaft.

Aber bin ich mir sehr sicher, dass der für die Innenstädte so wichtige Einzelhandel hier weiterhin eine starke Rolle spielen wird.

Den Einzelhändlern, die bereit sind das Beste aus beiden Handelswelten, das Einkaufserlebnis und die persönliche Beratung der Kundschaft im stationären Geschäft mit der schnellen Warenverfügbarkeit unter zur Hilfenahme der Digitalisierung zu vereinen, werden gute Chancen eingeräumt, um den Wandel zu überstehen.

Beispiel:
Der stationäre Buchhandel war als erster vom sich ausdehnenden Internethandel betroffen.
Er hat es auch mit als erster geschafft mit Hilfe der Digitalisierung und einer ausgeklügelten Logistik die Kundschaft auch weiterhin in seine stationären Innenstadt Läden zu locken.
Ist ein Buchtitel nicht direkt im Geschäft verfügbar wird er für mich vom freundlichen Personal bestellt.
Ganz klar, dass ich in die Stadt gehe, um mir mein Buch im Geschäft selbst abzuholen und dabei die Gelegenheit zum ausgiebigen Stöbern im großen Sortiment nutze.
Und anschließend ist bestimmt noch Zeit für einen leckeren Kaffee in der Rösterei wo ich garantiert Bekannte zu einem netten Gespräch treffe.

Denn ohne prosperierenden Handel, Cafés und Gastronomie kann es keine lebendige Innenstadt geben. Das ist meine feste Überzeugung!“


Der in Irlich mit seiner Ehefrau wohnende Diakon i.R. Lothar Spohr, der in Neuwied innerhalb des Kolpingwerkes engagiert ist und in seinem früheren Wirkungskreis zu Beginn seines diakonischen Wirkens in der Neuwieder Pfarrei St. Matthias und später in den Rheindörfer Gemeinden hauptamtlich tätig war , ist heute ehrenamtlich in vielfältiger Weise tätig. So unterstützt er zum Beispiel durch die Initiierung von Spendenaktionen die Sozialarbeit von Schwester Alfonsa in der rumänischen Hauptstadt Bukarest, die dort sowohl für die Straßenkinder als auch für besonders arme Familien tätig ist. Lothar Spohr schreibt:

„Mein künftiger Wunsch für die christlichen Kirchen:

Niemals zuvor hat es eine Zeit gegeben, in welcher innerhalb der christlichen Kirchen vor allem in der Basisarbeit der Diakonie und Caritas so viele Menschen unterschiedlichsten Alters segensreiche ehrenamtliche Dienste verrichtet haben.

Jedoch die Kehrseite:

In zahlreichen Gesprächen, die ich während meiner bisherigen über 43-jährigen Tätigkeit als Diakon mit ehemaligen sehr engagierten und tüchtigen Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern hatte wurde mir leider berichtet, dass diese Menschen häufig wegen des oftmals lieblosen „Betriebsklimas“, z.B. Kompetenzgerangel, Neid, Rechthaberei, Hinterhältigkeit, ihre so wertvollen Tätigkeiten im Dienste der Mitmenschen beenden und -mehr oder weniger- den lautlosen Rückzug praktiziert haben.

Deshalb ist mein persönlicher Wunsch für die Zukunft:

Die sicherlich vorhandene fachliche sowie menschenfreundliche und „auf Augenhöhe“ unterstützende-helfende Begleitung der ehrenamtlich Tätigen durch hauptamtliche Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter muss unbedingt intensiviert werden, um künftig unerfreuliche Vorkommnisse der oben erwähnten Art zu vermeiden.

Dadurch würde noch mehr Mitmenschen in unterschiedlichen Notlagen wirksame Hilfe zuteilwerden können. Gleichzeitig erhielten die christlichen Kirchen mit der Erfüllung dieses elementaren Auftrages des Jesus von Nazareth ganz gewiss auch einen erheblichen Teil der verlorenen Glaubwürdigkeit zurück“.


Stadträtin, Presbyteriumsmitglied und IT-Unternehmer äußern für „Lebendiges Neuwied“ ihre Wünsche für das Jahr 2021

Neuwied. /Text und Fotos: Jürgen Grab. Die Neuwieder Stadträtin und in diversen Ausschüssen sowie in weiteren Gremien und sozialen Organisationen zum Beispiel bei Amnesty International, tätige Bürgerin Inge Rockenfeller lässt ihr soziales Engagement auch bei ihren Wünschen für das begonnene Jahr deutlich werden.

„Nachdem 2020 durch die Corona-Pandemie verschiedene Einschränkungen im öffentlichen Leben angeordnet und befolgt wurden, wünsche ich mir für 2021, dass die Corona-Pandemie besiegt wird und wir damit zum normalen Leben zurückkehren können.Es wäre schön, wenn wir bald wieder

Soziale Kontakte pflegen, sich mit Freunden und Verwandten treffen, liebe Menschen im Seniorenheim und im Krankenhaus besuchen, uns mit Handschlag begrüßen und uns umarmen können.

Liebe, Kameradschaft und Verständnis füreinander zu zeigen ist ebenso wichtig wie Feste feiern verreisen und fröhlich miteinander zu sein.

Ich wünsch mir die Öffnung der Geschäfte, Gaststätten, Sportstätten, und der kulturellen Einrichtungen.

Ich wünsche mir, dass die Menschen wieder ihrer geregelten Arbeit und die Kinder und Jugendlichen wieder „ganz-normalen“ Unterricht haben können.

Präsenzveranstaltungen bei ehrenamtlich-tätigen Gruppen und Sitzungen und eine gute Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen sollten wieder möglich sein.

Neben diesen ganz persönlichen Aspekten wünsche ich und wünschen sich mit mir meine Freunde und Freundinnen von Amnesty International für die Flüchtlinge auf Lesbos eine sichere Bleibe in einem demokratischen, friedvollen Land.

Sie sollen aus Seenot gerettet und von europäischen Ländern aufgenommen

und ihnen damit ein Leben in Sicherheit ermöglicht werden.

Ich wünsche mir die Einhaltung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte für die Menschen in der Türkei, in Polen, Ungarn, Belarus, Hongkong und in allen Ländern der Erde...

Ein Leben ohne Diskriminierung und ohne Rassismus in Deutschland, der USA und in allen Ländern der Erde ist zweifellos ebenso bedeutsam wie ein sicherer Frieden für alle Menschen auf der ganzen Welt und eine Bewahrung des Friedens und Schöpfung.“


Uwe Selzer, der Presbyteriumsvorsitzende der Evangelischen Marktkirchengemeinde gehört seit Jahren dem Entschiedungsgremium dieser Gemeinde an und nimmt dort eine besonders wichtige Funktion war. Er schreibt hinsichtlich seiner Wünsche:

„Unsere Gemeinde geht in ihr letztes eigenständiges Jahr. Zum 1. Januar 2022 erfolgt die Fusion mit der Friedenskirchengemeinde zur Evangelischen Kirchengemeinde Neuwied. Die beiden Presbyterien arbeiten gemeinsam an der Vorbereitung der Fusion. Das wird sicher der Schwerpunkt der Arbeit unseres Presbyteriums im Jahr 2021 sein.

Wie sich die Angebote der Gemeinde im Jahr 2021 darstellen, hängt im Wesentlichen von dem weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab. Wir können zum aktuellen Zeitpunkt nicht sagen, wann wir unser Café wiedereröffnen können und wann welche Veranstaltungen stattfinden werden. Aus diesem Grund wird es auch, anders als in der Vergangenheit, zum Jahresbeginn noch keinen Veranstaltungskalender für das erste Halbjahr geben. Sobald es wieder möglich ist, Lesungen, Ausstellungen und musikalische Veranstaltungen anzubieten, wird das Presbyterium entscheiden, ob und welches Angebot unter Corona-Bedingungen verantwortbar ist. Dabei steht die Gesundheit der Besucherinnen und Besucher weiterhin im Vordergrund.

Bei den Gottesdiensten werden wir wie in der Vergangenheit schauen, was möglich ist. Wir machen uns die Entscheidung nicht leicht und diskutieren im Presbyterium durchaus kontrovers darüber, ob wir Präsenzgottesdienste anbieten. Die Marktkirche hat sich entschieden, ein reduziertes Angebot an Präsenzgottesdiensten anzubieten für Menschen, die auch in dieser Zeit ein Bedürfnis an einem realen Gottesdienstbesuch haben . Dabei setzen wir neben hohen Hygieneauflagen auf ein aufwendiges erweitertes Anmeldeverfahren mit Eintrittskarten. Für alle, die aktuell keinen Gottesdienst besuchen möchten, halten die Gemeinden unseres Kirchenkreises ein Angebot an Online-Gottesdiensten vor. Dies ist über den YouTube-Kanal wiedevangelisch zu finden.

Wir wünschen allen Lesern für 2021 vor allem Gesundheit, aber auch Glück, Erfolg, Zufriedenheit und Gottes Segen“.


Paul Schäfer ist Geschäftsführer eins Unternehmens für Veranstaltungstechnik in Neuwied, das derzeit durchaus einige Aufträge zu erledigen hat. Insbesondere in den Bereichen Videokonferenzen und Durchführung von Online-Gottesdiensten gibt es in diesen Zeiten der Distanz voneinander digital durchaus einiges zu tun. Auch während der sogenannten Präsenzgottesdienste zum Beispiel in der Matthiaskirche, war Schäfer mit einem enormen technischen Aufwand an der Livestream-Übertragung mittels eines You-Tube-Kanals entscheidend beteiligt, die offenkundig in der Gemeinde entsprechenden Anklang gefunden hat.

„Als Unternehmer wünsche ich mir für das Jahr 2021, dass möglichst bald viele Menschen gegen das Virus geimpft werden können, so dass es ab der zweiten Jahreshälfte langsam wieder mit Veranstaltungen losgehen kann.

Was die digitalen Veranstaltungen betrifft, so glaube ich, dass hier für die Zukunft noch viel Potential steckt, sich jedoch nicht jede Veranstaltungsform 1:1 digitalisieren lässt. Mit großem Interesse verfolge ich die Entwicklung. Mit unserer Kompetenz für die Umsetzung digitaler Projekte beteiligen wir uns bereits jetzt bei aktuellen Projekten unserer Kunden, dieses wollen wir im Jahr 2021 weiter ausbauen“.