bei Engers sind jetzt beendet
 Kampfmittelsondierung am Engerser Deichgelände an der Kronprinzenbrücke nunmehr abgeschlossen

Text und Fotos: SGDN + Jürgen Grab
Neuwied-Engers. Insgesamt werden mehr als 7 Millionen Euro aufgewendet werden müssen, um das 860 Meter lange Deichgelände am nördlichen Ende des Neuwieder Stadtteils Engers fach – und situationsgerecht zu sanieren bzw. neu zu gestalten. Dabei verweisen die seit Monaten dort tätigen Spezialisten nochmals auf die Zeit der Endphase des zweiten Weltkrieges hin, als die alliierten Truppen verstärkten Atelleriebeschuss und diverse Bobenangriffe auf die Kronprinzen-Eisenbahnbrücke zwischen Engers und Urmitz ausführten und somit eher unangenehme Hinterlassenschaften auf dem weitläufigen Areal haben liegen lassen. Diese wurden nun in umfangreichem Maße entdeckt und inzwischen beseitigt.

„Es sollte nicht vergessen werden, dass die Neuwieder Stadtväter mit Bürgermeister Robert Krups an der Spitze einst Weitsicht bewiesen und die komplette Deichanlage errichtet haben, um nicht nur die Innenstadt sondern auch das Engerser Feld vor Hochwasser zu schützen, was jetzt nur noch durch eine grundlegende Sanierung möglich ist. Dabei soll nicht vergessen werden, dass das Gelände als Wasserschutzgebiet von besonderer Bedeutung für die Bewohner der gesamten Stadt ist und insofern bestens abgesichert sein muss“, hatte OB Jan Einig vor einigen Monaten bei einer Begehung des Geländes betont. „Neben den reinen Baukosten fallen noch weitere Kosten an, wie beispielsweise für Planung, Rodungsarbeiten, Ausgleichsmaßnahmen oder Grunderwerb. Das Land Rheinland-Pfalz investiert in den Schutz der Menschen vor möglichen Hochwassern insgesamt knapp 10 Millionen Euro“, sagte kürzlich der neue SGD-Nord-Präsident Wolfgang Treis und ergänzte, dass für die reinen Sanierungsarbeiten etwa 7,2 Millionen Euro anfallen werden. Neben den absoluten Baukosten fallen zudem also noch weitere Kosten an, wie beispielsweise für Planung, Rodungsarbeiten, Ausgleichsmaßnahmen oder Grunderwerb. “ Das Land Rheinland-Pfalz investiert also grundlegend in wirksame Schutznahmen vor möglichen Fluten cirka weitere 2,8 Millionen Euro“, erläutert der SGD-Nord-Präsident Wolfgang Treis, wobei die Stadt Neuwied in diesem Zusammenhang 10 Prozent der Gesamtkosten übernimmt.
Wie jetzt von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Koblenz mitgeteilt wurde, ist das Gelände links und rechts unterhalb Kronprinzenbrücke auf rund 56.000 Quadratmetern auf Kampfmittel untersucht worden. Auf dieser Fläche wurden insgesamt 2.290 Störwerte festgestellt , davon mussten 728 Stück näher untersucht werden. 174 Kampfmittel wurden geborgen, darunter Infanteriemunition, Wurfgranaten, Stabbrandbomben, Übungsminen sowie Granatpatronen. Außerdem wurden etwa 4.500 Kilogramm Metallschrott geborgen und entsorgt.

Wie das Pressebüro der SGDN weiter mitteilte kann nun nach Abschluss dieser Arbeiten die Baufirma STRABAG GmbH in der 40. Kalenderwoche damit beginnen, die Baustellenzufahrtsstraßen und Baustelleneinrichtungen herzustellen, wobei es möglicherweise zu kleineren Verkehrseinschränkungen kommen kann.

Wie aus einer entsprechenden Pressemitteilung zu ersehen ist, ist es bei der Deichertüchtigung wichtig, dass der Hochwasserschutz für die Stadt Neuwied stets gewährleistet ist, weshalb die Arbeiten in jeweils 75 Meter langen Abschnitten erfolgen wird. Dabei wird jeder Abschnitt vollständig abgetragen und neu aufgebaut. Zur Sicherstellung des Hochwasserschutzes wird ausreichend Schüttmaterial vorgehalten, so dass bei einem möglicherweise eintretenden Hochwasserereignis innerhalb von 24 Stunden effizient reagiert werden kann.

Der neue Deich wird insgesamt rund 860 Meter lang sein. Er unterquert bei Rhein-Kilometer 602,1 die Kronprinz-Wilhelm-Brücke, wodurch der Planungsraum in zwei Bereiche gegliedert wird. Westlich der Eisenbahnlinie verläuft der neue Deich weitgehend in der Trasse des bisher vorhandenen Deiches. Östlich schwenkt er von der alten Trassenführung, die parallel zum Rheinufer verläuft, ab und folgt dem Elmsweg nach Nordosten, wo er am Ortsrand von Engers in dem dort natürlich ansteigenden Gelände ausläuft. Wie die Fachleute der SGDN weiter berichten, soll im Bereich der Eisenbahnbrücke die landseitige Deichböschung aufgrund der sehr beengten Platzverhältnisse durch eine Stützmauer abgefangen werden. Die Hochwasserschutzanlage erhält hier über eine Strecke von rund 170 Metern eine Untergrundabdichtung, die mit Spundwänden – in Ergänzung zu einer bereits vorhandenen Rüttelschmalwand – hergestellt wird, damit diese zu einer Erhöhung der Standsicherheit der Hochwasserschutzanlage beiträgt.

Der Grundwasserzustrom zu den Brunnen der Trinkwassergewinnung wird, so heißt es in einer Erläuterung der Behörde, dadurch nicht beeinträchtigt. Weitere wesentliche Elemente der Deichanlage sind ein bituminös befestigter Deichverteidigungsweg, der auch als Radweg genutzt werden darf, zwei Deichschutzstreifen, die Deichkrone mit Fußweg, eine Untergrundabdichtung und verschiedene Deichüberfahrten.
Je nach Witterungsverhältnissen sollen die Bauarbeiten nach einer Information der bauausführenden Firma im Jahr 2023 abgeschlossen sein. Bis dahin wird also noch viel Wasser den Rhein „hinunter“ in Richtung Nordsee fließen, ehe der „neue“ Naturdeich Neuwied-Engers als neues grandioses Bauwerk in unserer Region eingeweiht werden kann.