Wenn man im Zoo Neuwied einen Rundgang durch die neue Prinz Maximilian zu Wied Halle macht, dann hört man zurzeit oft ungewohnte Geräusche: Eine Mischung aus Knurren und schrillem Quieken ertönt aus der südwestlichen Ecke des 2018 eröffneten Tierhauses. Geht man den Geräuschen nach, entdeckt man zwischen der dichten Bepflanzung zwei große, langbeinige Marder, die sich ineinander verkeilt über den Boden wälzen.

„Was auf den ersten Blick wie ein Kampf aussieht, ist in Wirklichkeit das Paarungsverhalten der Tayras“, erklärt Biologin Alexandra Japes. „In der südamerikanischen Heimat dieser Baummarder ist gerade Frühling, und somit Paarungszeit. Und obwohl unsere Tayras beide in Zoos auf der Nordhalbkugel geboren sind, ist ihre innere Uhr jetzt trotzdem auf Frühling eingestellt und produziert die passenden Hormone.“

Der Nackenbiss, mit dem das Männchen das Weibchen während der Paarung festhält, wirkt zunächst brutal, hinterlässt aber keinerlei Verletzungen. Ein solches Verhalten, welches sicherstellt, dass die Paarung nicht zu früh abgebrochen wird, ist bei vielen Raubtieren zu beobachten, zum Beispiel auch bei Löwen. „In unseren Augen wirkt dieses Verhalten gemein, aber für die Tiere hat die Paarung nur einen Zweck: die Fortpflanzung. Und deren Erfolgsaussichten werden so gesteigert“, erläutert Japes, die als Kuratorin für den Tierbestand der Südamerikahalle verantwortlich ist.
„Sollte sich Nachwuchs einstellen, dann kann er auch im Winter gut beobachtet werden: Die Tayras leben, ebenso wie rund 80 weitere unserer 200 Tierarten, in einem unserer ganzjährig gemütlich warmen Tierhäuser – damit sowohl Tiere als auch Besucher sich im Zoo Neuwied bei jedem Wetter wohl fühlen.“