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30. AIDS/Covid Hepatitis Forum im Kemperhof verbindet Fachwissen und Engagement
Foto: GK-Mittelrhein/Jutta Münch
KOBLENZ. „Damals herrschte Hoffnungslosigkeit, Angst, Ausgrenzung und Brandmarkung.“ Die Rede ist von AIDS. Der Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, David Langner, beschrieb in seinem Grußwort zum 30. AIDS/Covid Hepatitis Forum im Kemperhof die große Herausforderung in den 90er-Jahren, das Thema in die Gesellschaft zu bringen. Und als „Mann der ersten Stunde“ ist Dr. med. Ansgar Rieke, Chefarzt der Inneren Medizin – Nephrologie, Infektiologie im Kemperhof maßgeblich dafür verantwortlich, dass das Verständnis in der Gesellschaft gewachsen ist. „Das haben Sie geschafft und den Menschen geholfen“, so Langner. Der langanhaltende Applaus im voll besetzten Konferenzzentrum würdigte das Lebenswerk des Chefarztes.
Insgesamt neun Referierende machten das 30. Forum zu einer thematisch breit aufgestellten Fachveranstaltung, an der auch online viele internationale Gäste teilnahmen. Zu Beginn berichtete Dr. Rieke, wie er und sein Team die Immunologische Ambulanz aufgebaut haben. „Es war schwierig, den ganzen Widrigkeiten zu begegnen. Die frühe Gründung des Fördervereins hat dabei Freiheit gegeben und es hat mir sehr gutgetan, zu wissen, solches Rückgrat zu haben.“ Er erzählte von den ersten Patienten, die stationär in furchtbar desolatem Zustand zu ihm kamen. „Das hat mich zutiefst menschlich bewegt und ich hätte nie gedacht, was heute antivirale Therapien möglich machen.“ Kurz skizzierte er die Meilensteine, die ihn in seiner Laufbahn geprägt haben: Die moderne HIV-Therapie beginnt mit der Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie. Die dramatische Flüchtlingswelle 2015 hat sein Team mit unglaublicher menschlicher Dimension vor große Herausforderungen gestellt. Mit Covid gab es schreckliche Erlebnisse und unfassbar viel Arbeit. 2021 wurde das Fach „Infektiologie“ als Schwerpunkt in der Inneren Medizin anerkannt und Rieke war der erste Infektiologe dieser Prägung in Deutschland.
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Rekordbesuch beim 30. AIDS/Covid Hepatitis Forum im Kemperhof: Online waren auch noch viele internationale Gäste zugeschaltet. Foto: GK-Mittelrhein/Jutta Münch
Was heute alles möglich in der Therapie von HIV, AIDS und Covid ist, darüber referierte Prof. Dr. med. Christoph Boesecke. Der Oberarzt der Infektiologie am Universitätsklinikum Bonn wird zum Jahresende der Nachfolger von Dr. Rieke, der sich nach 40 Jahren im Kemperhof in den Ruhestand verabschiedet. Der Facharzt für Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Infektiologie hat zusätzlich Schwerpunkte in Suchtmedizin und internistischer Intensivmedizin. Er stellte beeindruckende Zahlen vor. So sind rund 98.000 Menschen in Deutschland mit HIV infiziert. Zusätzlich gibt es aber auch bis zu 10.000, die ihre Diagnose nicht kennen und die Neuinfektionen sind steigend. Die gute Nachricht: 98 Prozent der im Durchschnitt 50 Jahre alten Patienten haben Zugang zu Therapien. 97 Prozent werden erfolgreich therapiert und haben heute eine normale Lebenserwartung. Der Trend in der Therapie 2027 geht hin zu einer Tablette pro Woche. „Das ist eine riesige Erleichterung für die Patienten, die dann nicht mehr täglich an ihre Krankheit erinnert werden“, so Boesecke. Neueste Forschungen lassen auf zwei Tabletten im Jahr hoffen.
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Die Referierenden freuten sich über das große Interesse beim 30. AIDS/Covid Hepatitis Forum im Kemperhof. Foto: GK-Mittelrhein/Jutta Münch
Im Anschluss gaben die weiteren Referierenden vielfältige Einblicke in die Herausforderungen und Entwicklungen rund um HIV, weitere Infektionserkrankungen und die moderne Gesundheitsversorgung. Die Beiträge spannten einen weiten Bogen von Geriatrie, Infektiologie, Onkologie und Tropenmedizin bis hin zu den Auswirkungen der Klimakrise auf das Gesundheitswesen und neurodegenerativen Syndromen. Deutlich wurde dabei, wie eng medizinische Versorgung, gesellschaftliche Veränderungen und internationale Entwicklungen heute miteinander verknüpft sind. Den inhaltlichen Abschluss bildete eine lebendige Podiumsdiskussion zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Das 30. AIDS/Covid Hepatitis Forum, das wie bisher in Kooperation mit der Landeszentrale für Gesundheitsförderung stattfand, war damit nicht nur eine beeindruckende Fachveranstaltung, sondern auch ein würdiger Dank an Dr. Ansgar Rieke und ein gelungener Blick auf den Fortschritt in der medizinischen Versorgung.
