
Regionales Traumazentrum und sein Team nehmen am landesweiten Übungstag teil
Fotos: GK-Mittelrhein/Eva Sinzig
KOBLENZ. Stellen Sie sich vor: Eine aus Frankreich heranziehende Kaltfront erfasst Rheinland-Pfalz und bringt Starkregen, schwere Sturmböen sowie kräftige Gewitter mit sich. Infolge des Unwetters kommt es zu einem Verkehrsunfall mit einem Reisebus, bei dem eine größere Zahl von Menschen verletzt wird. Innerhalb kürzester Zeit müssen die Verletzten gesichtet, eingeschätzt und gezielt auf die geeigneten Versorgungsbereiche verteilt werden – während die Versorgung der regulären Patientinnen und Patienten weiterläuft. Dieses Szenario wurde für das Ev. Stift im Rahmen des landesweiten Übungstages für den Brand- und Katastrophenschutz zugrunde gelegt. Gemeinsam mit Rettungsdienst, Feuerwehr und Katastrophenschutz überprüfte das Ev. Stift als eines von drei beteiligten Krankenhäusern in Koblenz die Abläufe bei einem Massenanfall von Verletzten (MANV).
Als anerkanntes Regionales Traumazentrum lag der Fokus auf Sichtung, Triage und Disposition. Dabei wurde erprobt, wie die Einschätzungen des Rettungsdienstes im Krankenhaus aufgenommen, mit dem aktuellen Zustand der Patienten abgeglichen und bei Bedarf angepasst werden. Auf dieser Grundlage erfolgt die weitere Verteilung in die jeweils geeigneten Versorgungsbereiche.
„Die Übung war für uns eine wichtige Möglichkeit, unsere bestehenden Strukturen und Abläufe unter realitätsnahen Bedingungen zu überprüfen“, sagt Prof. Dr. med. Konrad Schütze, Chefarzt und Leiter des Regionalen Traumazentrums. „Besonders wertvoll war, dass wir dabei das Zusammenspiel der verschiedenen Bereiche bei einem Massenanfall erleben und bewerten konnten.“
Eine besondere Herausforderung bestand darin, die große Zahl gleichzeitig eintreffender Verletzter zu bewältigen und zugleich den regulären Krankenhausbetrieb aufrechtzuerhalten. Die Übung machte erneut sichtbar, wie eng die einzelnen Schritte – von der ersten Einschätzung bis zur weiteren Behandlung – miteinander verbunden sind.

Das Team im Ev. Stift St. Martin zieht ein positives Fazit nach dem Übungstag. Fotos: GK-Mittelrhein/Eva Sinzig
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Übung war die bewusst rein papierbasierte Dokumentation. Hintergrund ist die Vorbereitung auf mögliche Katastrophenlagen, in denen die verfügbare Notstromversorgung nur begrenzt zur Verfügung steht. „Wir wollen unsere Notstromkapazitäten im Ernstfall gezielt dort einsetzen können, wo sie für die medizinische Versorgung und die Aufrechterhaltung des Krankenhausbetriebs unverzichtbar sind. So können wir auch unter eingeschränkten technischen Bedingungen handlungsfähig bleiben und gleichzeitig wichtige Erfahrungen für den Ernstfall sammeln“, berichtet Jochen Schmitt, Katastrophenschutzbeauftragter.
Die Übung diente damit nicht nur der Überprüfung medizinischer und organisatorischer Abläufe, sondern auch der Frage, wie sich die Handlungsfähigkeit des Krankenhauses bei einem Ausfall oder einer Einschränkung der technischen Infrastruktur sicherstellen lässt.
Auch die Zusammenarbeit mit den externen Partnern wurde praktisch erprobt. „Bei einer besonderen Einsatzlage müssen Rettungsdienst, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Krankenhaus schnell und abgestimmt handeln“, erklärt Jochen Schmitt. „Die Übung hat gezeigt, wie wichtig ein gemeinsames Verständnis der Abläufe ist. Dafür schaffen regelmäßiges Training und ein frühzeitiger Austausch die entscheidende Grundlage.“
Der Verlauf der Übung wurde insgesamt positiv bewertet. In der Nachbereitung werden nun die Erfahrungen ausgewertet und mögliche Verbesserungen abgeleitet. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem die Versorgungs- und Logistikprozesse, die Wegeführung, die Kommunikation und die Zusammenarbeit der beteiligten Bereiche. „Wir werden die Erkenntnisse aus der Übung nutzen, um unsere Strukturen und Abläufe gezielt weiterzuentwickeln“, betont Prof. Schütze und ergänzt: „Unser herzlicher Dank gilt allen Mitarbeitenden, die die Übung vorbereitet und begleitet haben. Ebenso danken wir den beteiligten Partnern aus Rettungsdienst, Feuerwehr und Katastrophenschutz für die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit.“

