Neuwiederin Julia Bodnar macht Sprachen- und Orientierungsjahr in Trier

Trier/Neuwied – „Das Leben ist ein Abenteuer. Wage es!“ Dieser Spruch steht auf einem Stoffbeutel, den Julia Bodnar vor zwei Jahren während des Weltjugendtages geschenkt bekam. Gesagt – getan: Seitdem ist die 19-Jährige aus dem Raum Neuwied auf ihrer persönlichen Abenteuer- und Glaubensreise. Jüngste Station ist das Felixianum, das Sprachen- und Orientierungsjahr im Bistum Trier. Ihr bisheriger Eindruck? „Felixianum wirkt!“

Das Felixianum auf dem Gelände des Priesterseminars und Jugendhauses im Herzen der Trierer Altstadt fühlt sich an wie ein Wohnheim mit mehreren WGs, findet Julia. Mit den anderen sieben Felixianer*innen ihres Jahrgangs teilt sie sich eine Küche und ein Wohnzimmer; ein eigenes Zimmer inklusive Bad hat jede*r für sich.

Neben den Felixianer*innen leben natürlich auch Priesteramtskandidaten dort. „Bevor ich eingezogen bin, konnte ich mir kaum vorstellen, dass sich heutzutage noch jemand dazu entschließt, Priester zu werden“, gesteht sie. Nach einigen Gesprächen habe sie die Sache jedoch anders betrachtet. „Ich bin dankbar für den Austausch mit Menschen, die sich berufen fühlen, denn der Glaube hat eine zentrale Bedeutung für mein Leben. Es ist so spannend, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die sich aktiv für ihre Berufung entscheiden und diesen Weg zu gehen.“

Foto: Julia Bodnar

Der eigenen Berufung auf die Spur gekommen

Mit dem Glauben kam Julia schon früh in Berührung, „wahrscheinlich als meine Eltern kurz nach meiner Geburt das erste Gebet für mich gesprochen haben“, überlegt sie. Im Religionsunterricht auf dem Wiedtal-Gymnasium in Neustadt/Wied, wo sie vergangenes Jahr Abitur gemacht hat, beschäftigte sie sich dann intensiv „vom Herzen heraus“ mit ihrer Religion. Mit dem Abi in der Tasche zog es Julia zunächst für ein dreimonatiges Praktikum nach Cuxhafen, wo sie in einem Wattenmeer-Besucherzentrum arbeitete. Zurück in der Heimat fieberte sie auf den Felixianum-Start im Oktober hin. Schon nach einer kurzen Eingewöhnungsphase bemerkte sie erste Veränderungen an sich selbst, berichtet Julia. Die Impulse aus den Glaubens- und Sprachkursen in Verbindung mit sozialem Engagement und lockeren gemeinschaftlichen Aktivitäten wie Koch- oder Videospielabende begannen auf sie zu wirken: „Irgendwann habe ich angefangen, mit dieser Wirkung zu arbeiten“, erzählt die junge Frau. „Ich entdecke, was mich im Kern ausmacht, wofür ich wirklich brenne und an welchen Orten meine Potenziale gedeihen können. Konkret heißt das, immer mehr zu lernen, auf meinen inneren Kompass zu horchen.“ Inzwischen sei ihr klar: „Ich spüre einen Ruf. Diesen Ruf in Gänze zu verstehen, ist wohl kaum möglich, wird aber von Tag zu Tag konkreter. Ich versuche einfach, dem zu folgen.“ Inzwischen sei ihr klar: „Es zieht mich in Richtung Arbeit mit Menschen.“

Wie die Arbeit mit Menschen im Alltag aussehen kann, erprobt Julia derzeit im „taw“, dem Treffpunkt am Weidengraben in Trier, wo sie ein Sozialpraktikum absolviert. Der taw ist Zentrum und Anlaufstelle für Bürger*innen, bietet Raum für Begegnung sowie Hilfestellung und Beratung – etwa für spezifische Zielgruppen wie etwa Senior*innen und Migrant*innen. Einen Tag in der Woche hilft sie dort mit, zum Beispiel im Singkreis, beim Nordic Walking oder im Häkeltreff. Inzwischen könne sie sich auch gut vorstellen, künftig für die Kirche zu arbeiten, Theologie zu studieren und Seelsorgerin zu werden. „Natürlich sehe auch ich, dass es einige Baustellen in der Kirche gibt.“ Darin sehe sie allerdings eher eine Chance als ein Hindernis: „Ich möchte mich und meine Herzenswünsche für diese Kirche aktiv einbringen, statt von außen zuzuschauen oder gar aufzugeben.“

Für am Felixianum Interessierte hat Julia eine einfache Empfehlung: „Einfach mal für ein, zwei Tage hierhin kommen und mitleben, das habe ich im Februar auch gemacht. Traut euch, euch mit euch selbst und eurem Leben intensiv auseinanderzusetzen! Im normalen Schul- oder Berufsalltag ist dafür meist keine Zeit. Denn in euch selbst und eurem Leben steckt viel mehr Potenzial als ihr vielleicht denkt.“

 

Information Felixianum

Das Felixianum ist eine christliche Orientierungszeit nach der Schule, im Studium, während der Ausbildung, als Orientierungs- und/oder Sprachenjahr. Eine Möglichkeit, für zehn Monate mit anderen Menschen zwischen 18 und 30 Jahren in einer WG mit eigenem Appartement mitten im Herzen der Trierer Innenstadt zu leben und Orientierungsangebote und/oder Sprachkurse zu belegen. Wer sich für das Felixianum interessiert, findet hier weitere Informationen: www.felixianum.de.

 

(ih)