Drei neue Angebote – Erfolgreiche gemeinsame Bemühungen von Landkreis Neuwied, Runder Tisch gegen Gewalt und Marienhaus

Foto: Julia Hinz / Kreisverwaltung Neuwied
Kreis Neuwied. Der Landkreis Neuwied setzt sich verstärkt für die Opfer von Gewalt gegen Frauen ein: So hat der Kreis mit gleich drei neuen Projekten in diesem Bereich seine Hilfeangebote für die betroffenen Frauen innerhalb weniger Jahre deutlich verbessert. „Gewalt ist in jeglicher Hinsicht kriminell, damit untragbar und durch nichts zu rechtfertigen Trotzdem wird das Thema `Gewalt gegen Frauen´ nach wie vor tabuisiert und ist deshalb mit hohen Dunkelziffern abseits der signifikanten Statistiken behaftet. Wir tragen im Kreis Neuwied engagiert dazu bei, diese Thematik aus der Tabuzone herauszuholen“, sind sich Landrat Achim Hallerbach und die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Neuwied, Daniela Kiefer, einig. Mit Erfolg, wie ein Blick auf die vergangenen Jahre bestätigt.

Nicht nur beim Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November setzen sich Kreis und Stadt Neuwied für die Betroffenen von Gewalt gegen Frauen ein. Foto: Julia Hinz / Kreisverwaltung Neuwied

Unter der Trägerschaft des Vereins Frauen gegen Gewalt e.V. entstand zu Beginn des Jahres 2025 der Frauennotruf mit Sitz in der Stadt Neuwied. Die auf sexuelle Gewalt spezialisierte Fachberatungsstelle widmet sich neben der Arbeit mit den Betroffenen auch der Fortbildung von Fachkräften anderer Institutionen. Finanzielle Unterstützung erfolgt durch den Kreis und die Stadt Neuwied, hinzu kommt eine Landesförderung.

Seit Ende 2025 hält das Marienhausklinikum am Standort St. Elisabeth zudem das Angebot der „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ vor - hier können sich Gewaltbetroffene medizinisch versorgen lassen. Zugleich wird über einen speziell dafür entwickelten Kit die Sicherung von Täterspuren ermöglicht, um eine etwaige Strafverfolgung auch zu einem späteren Zeitpunkt zu ermöglichen.

Noch Ende dieses Jahres soll dann auch das Frauenhaus im Kreis Neuwied eröffnet werden. Die angegliederte Fachberatungsstelle, die eine allgemeine Anlaufstelle für gewaltbetroffene Frauen sein soll, ist bereits seit April 2026 ebenfalls am Start.

Dass der enorme Ausbau des Hilfesystems erforderlich ist, das zeigt auch das Lagebild Häusliche Gewalt der Bundeskriminalstatistik:

Die Fallzahlen bei Häuslicher Gewalt sind ungebremst hoch. Bei den 171.069 Personen, die 2024 von Partnerschaftsgewalt betroffen waren, sind zu knapp 80 Prozent Frauen die Opfer. Laut Bundeskriminalstatistik sind rund 80 Prozent der Tatverdächtigen Männer.

Der Prozentsatz im Bereich der Gewalt innerhalb von Partnerschaftsbeziehungen ist bim Vergleich zum Vorjahr um 1,9 Prozent angestiegen. Hinter dieser Zahl verbergen sich Menschen, die durch die Gewaltausübung ihres Partners oder Ex-Partners teils massiv in ihrem Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit beschädigt wurden. Hintergrund der Gewalttaten sind häufig patriarchale Strukturen und Machtmissbrauch von Männern, die Frauen als Eigentum und eine Trennung als persönliche Beleidigung einordnen.

Foto: Julia Hinz / Kreisverwaltung Neuwied

Verschiedene Akteure im Kreis Neuwied setzen sich unter Federführung von Landrat Achim Hallerbach und der Gleichstellungsbeauftragten Daniela Kiefer bereits seit vielen Jahren dafür ein, diesem Missstand entgegenzuwirken. Dementsprechend fasste der Kreistag im November 2023 einstimmig den Beschluss, die Hilfestrukturen für gewaltbetroffene Frauen im Kreis Neuwied auszubauen. Die bereits bestehenden Bemühungen bekamen damit die erforderliche politische Rückendeckung.

Unter anderem ist der Runde Tisch gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen bereits seit vielen Jahren als Vernetzungsstelle im Gewaltschutz aktiv. Von Seiten der Verwaltung führten Landrat Achim Hallerbach und Gleichstellungsbeauftragte Daniela Kiefer entsprechende Gespräche mit den Landesvertretungen, die den Ausbau der Hilfestrukturen koordinieren. Ein Brandbrief des Runden Tisch gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen Rhein-Westerwald sowie ein Interview der Kreis-Gleichstellungs-Stelle mit dem SWR schärften ebenfalls das Bewusstsein für die Thematik.

Mit dem Inkrafttreten des Gewalthilfegesetzes wird es in Zukunft einen Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung gewaltbetroffener Frauen geben. Im Kreis Neuwied sind von kommunaler Seite aus bereits jetzt die entsprechenden Voraussetzungen dafür geschaffen worden. „Dass wir den Zuschlag für das nächste Frauenhaus im Kreis Neuwied bekommen haben, zeigt, dass unsere Bemühungen auch beim Land gesehen- und anerkannt wurden“, freut sich Gleichstellungsbeauftragte Daniela Kiefer. „Wir alle tragen die Verantwortung dafür, dass Frauen und ihre Kinder wirksam geschützt werden.“

„Der Ausbau und die Schaffung neuer Hilfeangebote für gewaltbetroffene Frauen in Stadt und Kreis Neuwied, ist dem Zusammenwirken aus Politik, Verwaltung und Fachstellen zu verdanken und deren gemeinsamer Erfolg! Darauf können wir stolz sein!“, resümiert Landrat Achim Hallerbach:

„Hier wird die Verantwortung wahrgenommen, dem erschreckenden Trend zunehmender Gewalt, insbesondere gegen Frauen, entgegenzuwirken und aktiv für ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben von Frauen einzutreten.“

 


Eckpunkte:

• November 2023: Beschluss des Kreistags zum Aufbau eigener Strukturen für einen Frauennotruf sowie für die Schaffung von Transparenz hinsichtlich Lücken im Hilfesystem im Kreis Neuwied,
• Sommer 2024: Brandbrief des Runder Tisch Rhein-Westerwald gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen mit der Folge einer Einladung zu Landtagspräsident Hering,
• Sommer 2024 Interview der Gleichstellungsbeauftragten Daniela Kiefer und Beate Ullwer,
• Verhandlungen der Kreis-Gleichstellungsbeauftragten mit dem Verein Frauen gegen Gewalt e.V. als potentiellen Träger eines eigenen Frauennotrufs,
• 1. Januar 2025: Frauennotruf Neuwied geht an den Start, zunächst noch von Standort Westerburg aus mitbetreut,
• Frühjahr 2025: das Land teilt Landrat Achim Hallerbach mit, dass Neuwied als Standort für nächstes Frauenhaus in RLP ausgewählt wurde und eröffnet das Interessenbekundungsverfahren,
• Ende 2025: Das Land beauftragt das DRK, Kreisverband Neuwied e.V. als Träger des zukünftigen Frauenhauses,
• Dezember 2025: Offizieller Start des Projektes „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ des Marienhaus.