
Wie der Baumbestand in Neuwieds Innenstadt langfristig gestärkt wird – Neupflanzungen übertreffen Fällungen um mehr als das Doppelte
Foto: Ulf Steffenfauseweh
Neuwied setzt auf Stadtgrün mit Zukunft. Auch wenn Baumfällungen im Stadtbild immer wieder kritisch wahrgenommen werden, zeigt ein Blick auf die Gesamtentwicklung ein klares Bild: Die Stadt pflanzt deutlich mehr Bäume, als sie entfernt und achtet gleichzeitig gezielt auf bessere und klimaresistente Standorte. Aktuell ist dies auf dem Luisenplatz zu sehen, wo 15 neue Kastanien, Rotahorne und Hainbuchen gesetzt werden.
Insgesamt sind rund 16.000 Bäume im Kataster für das Stadtgebiet erfasst, was Neuwied auch im Vergleich zu einer sehr grünen Stadt macht. Die Bäume stehen auf Spiel- und Sportplätzen, auf Friedhöfen sowie in Park- und Gartenanlagen und im sogenannten Straßenbegleitgrün. Hinzu kommen zahlreiche weitere Bestände etwa auf waldähnlichen Flächen, entlang von Bachläufen oder in Naherholungsbereichen, die in der Zahl nicht enthalten sind.

Einsetzen einer Hainbuche auf dem Luisenplatz. Foto: Ulf Steffenfauseweh
Seit Anfang 2023 wurden im Stadtgebiet rund 400 neue Bäume gepflanzt. Das sind mehr als doppelt so viele, wie im gleichen Zeitraum gefällt wurden – aus vielfältigen Gründen und nach klaren fachlichen Kriterien. Ein zentraler Faktor ist die Verkehrssicherheit. Bäume werden regelmäßig kontrolliert. Wenn sie nicht mehr standsicher sind oder aufgrund von Krankheiten keine Zukunftsperspektive mehr haben, müssen sie – auch wenn es in manchen Fällen sehr schmerzt - entfernt werden. Das betraf unter anderem die Bäume in der Elisabethstraße, in der Kinzingstraße sowie auf dem Friedhof in der Elisabethstraße.
Gerade diese Bereiche zeigen zugleich, wie die Stadt langfristig denkt: In Elisabeth- und Kinzingstraße ist ein umfassender Ausbau geplant. Ziel ist es, die bestehenden Alleen grundlegend zu erneuern – in der Kinzingstraße künftig wieder mit Kirschbäumen. Dabei werden die Standorte so gestaltet, dass die neuen Bäume deutlich bessere Wachstumsbedingungen erhalten.
Denn ein Problem vieler älterer Straßenbäume liegt in der Vergangenheit: Sie wurden oft in zu kleine Baumscheiben gepflanzt, teilweise mit nur etwa drei Kubikmetern durchwurzelbarem Boden. Unter heutigen klimatischen Bedingungen reicht das nicht mehr aus. Moderne Pflanzstandorte bieten bis zu zwölf Kubikmeter gut durchlüftetes Substrat, das Wasser und Nährstoffe speichern kann. Um solche Bedingungen zu schaffen, sind in engen Straßen häufig umfassende Umbaumaßnahmen erforderlich.
Dass ein Erhalt nicht immer möglich ist, zeigt auch die Engerser Straße. Dort sollten die Bäume ursprünglich stehen bleiben. Erst während der Bauarbeiten wurde deutlich, dass sie aufgrund zu kleiner Standorte in Betonfundamenten verwurzelt waren und ihre Standsicherheit verloren hatten. Eine Fällung war unausweichlich.

Gleichzeitig gilt: Wo immer möglich, werden bestehende Bäume erhalten. In der Wilhelmstraße konnten beispielsweise einzelne größere Bäume gesichert und durch gezielte Maßnahmen langfristig stabilisiert werden. Die Entscheidungen über Baumfällungen basieren stets auf fachlichen Bewertungen, insbesondere auf den Ergebnissen der regelmäßigen Baumkontrollen sowie den Planungen des Stadtbauamtes. Bei größeren städtebaulichen Maßnahmen ist zudem der Neuwieder Stadtrat eingebunden: Projekte werden im Planungsausschuss vorgestellt, beraten und beschlossen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Anpassung an den Klimawandel. Bei Neupflanzungen setzt die Stadt zunehmend auf klimaresistente Baumarten, die besser mit längeren Trockenperioden zurechtkommen. Gleichzeitig werden die Standorte so geplant, dass die Bäume auch im Verkehrsraum ausreichend Platz finden.
Auch bei der Bewässerung geht Neuwied neue Wege. Künftig wird bei Projekten verstärkt Niederschlagswasser gezielt gesammelt und den Bäumen zugeführt. So lässt sich der Einsatz von Trinkwasser reduzieren und die Versorgung in trockenen Zeiten verbessern. In der Schloßstraße ist dieses Konzept bereits realisiert, und auch an der Geschwister-Scholl-Schule werden die 15 neu zu pflanzenden Bäume über gesammeltes Niederschlagswasser versorgt.
Für die Stadt steht fest: Jede Baumfällung ist ein Eingriff, der sorgfältig abgewogen wird. Ziel bleibt es, den Baumbestand nicht nur zu erhalten, sondern langfristig zu stärken und an die Herausforderungen der Zukunft anzupassen.

