zur Erprobung der Wasserstoffnutzung in der Feuerfestindustrie
Bild: Universität Koblenz / Felix Schlief
Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt hat dem Präsidenten der Universität Koblenz, Prof. Dr. Stefan Wehner, einen Förderbescheid in Höhe von rund 2,4 Millionen Euro aus EU- und Landesmitteln für das Projekt HYDROFUTURE der Professur Technische Chemie und Korrosionswissenschaften unter Leitung von Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Quirmbach überreicht.
„Mit den Fördermitteln soll an der Universität Koblenz die Nutzung von Wasserstoff in energieintensiven Industrien wie beispielsweise der Feuerfestindustrie erforscht werden, die im Norden von Rheinland-Pfalz stark vertreten ist. Rheinland-Pfalz leistet damit einen Beitrag zur Transformation der Wirtschaft, indem die Nutzung neuer Technologien zur CO2-Reduktion anwendungsbezogen erforscht wird“, sagte Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt.
Die Ministerin hob bei der feierlichen Übergabe zudem den länderübergreifenden Stellenwert eines solchen zukunftsweisenden Technologieprojekts hervor: „Mit HYDROFUTURE wird nicht nur eine innovative Experimentalanlage zur Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Wasserstoffatmosphären und feuerfesten keramischen Materialien an der Universität Koblenz aufgebaut. Vielmehr wird der Technologietransfer in die Wirtschaft, insbesondere in die kleinen und mittleren Unternehmen, unterstützt. Wie wichtig das für die Industrie insgesamt ist, zeigt sich beim Blick auf die überregionale Bedeutung der Wirtschaft im Norden des Landes: Die in Rheinland-Pfalz ansässige Feuerfestindustrie stellt rund ein Drittel aller in Europa produzierten Feuerfestmaterialien her und besitzt damit eine herausragende wirtschaftliche Bedeutung.“
Universitätspräsident Prof. Dr. Stefan Wehner und Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt mit dem Förderbescheid. Bild: Universität Koblenz / Felix Schlief
Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Quirmbach als Projektverantwortlicher betonte: „Wir freuen uns sehr, dass dank der Förderung nun eine weltweit einzigartige Versuchsanlage an der Universität Koblenz aufgebaut und in Betrieb genommen werden kann, die grundlegende neue Informationen zur Langzeitbeständigkeit feuerfestkeramischer Auskleidungen innerhalb der Stahlindustrie bei ihrem technologischen Einsatz in Wasserstoffatmosphären liefert.“
Prof. Dr. Stefan Wehner, Präsident der Universität Koblenz, ergänzte: „Die Universität Koblenz wird damit in die Lage versetzt, in ihrem langjährigen Forschungsschwerpunkt Keramik auch Forschungsarbeiten mit Wasserstoff durchzuführen und damit die CO2-neutrale Produktion von feuerfesten Keramiken in der Region und darüber hinaus weiter voran zu treiben.“
Das Projekt HYDROFUTURE wird durch Landesmittel in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro sowie mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in Höhe von rund einer Million Euro im Rahmen des Ziels „Investitionen in Beschäftigung und Wachstum“ über den Zeitraum von drei Jahren gefördert.
Zu den energieintensiven Industriezweigen gehören in Deutschland sowohl die Stahlindustrie als auch die Feuerfestindustrie, die etwa 70 Prozent ihrer Produkte in die Stahl- und Metallbranche liefern. Dadurch ist die Stahlherstellung folglich der wichtigste Abnehmermarkt.
Hintergrund
Das Projekt HYDROFUTURE dient dem Aufbau einer Experimentalanlage zur wissenschaftlichen Qualifizierung der chemischen Wechselwirkung zwischen unterschiedlichen technologierelevanten Wasserstoffatmosphären und keramischen Funktionalbauteilen bzw. keramischem Brenngut.
Die Experimentier-Anlage ermöglicht durch ihre sehr variablen Testmöglichkeiten die werkstoffseitige Neuentwicklung feuerfester Auskleidungen, indem die industriellen Prozessbedingungen einsatznah simuliert werden. Über umfangreiche nachgeschaltete Auswerteverfahren werden die eingesetzten Feuerfestwerkstoffe charakterisiert. Diese Ergebnisse sind die Grundlage für die Herstellerindustrie, zuverlässige Materiallösungen für den globalen Wettbewerb zu entwickeln. Nur durch die nachgewiesene Wasserstoff-Beständigkeit kann die feuerfestverbrauchende Industrie ihren Anspruch einer internationalen Marktführerschaft zukünftig festigen.

