
Faultürme für Klarschlamm werden auf den neuesten Stand gebracht – Es kann mal „müffeln“
29.05.2026 Foto: Gerd Neuwirth/sbn
Neuwied. Die Servicebetriebe Neuwied (SBN) setzen die energetische Modernisierung der Kläranlage an der B42 fort. Nach der Installation der faltbaren PV-Anlage und der Erneuerung des Blockheizkraftwerks beginnt ab Ende Mai die Sanierung der rund 40 Jahre alten Faultürme. Die Millioneninvestition erhöht die Eigenproduktion an Energie um das Dreifache und trägt zur Stabilisierung der Gebühren bei.
Die Kläranlage verbraucht rund 3 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Die laufende Modernisierung zielt darauf ab, künftig 60 Prozent dieses Bedarfs selbst zu decken. „Die Maßnahmen erfolgen in mehreren Phasen und umfassen sowohl die Stromerzeugung als auch die Optimierung der Energieeffizienz“, erklärt Zacharias Grätz, Experte der SBN für Kläranlagenausbau und Optimierung.
Den Auftakt der Modernisierung bildete die Installation der ersten faltbaren Photovoltaikanlage Deutschlands über einem der Klärbecken. Die Anlage liefert bereits wie geplant 180.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. „Im vergangenen Jahr lagen wir sogar deutlich darüber“, so Grätz. Im vergangenen Jahr wurde auch das neue Blockheizkraftwerk eingebaut: „Die erzeugte Energie wird für Pumpen, Mischwerke in den Klärbecken sowie das Beheizen des Betriebsgebäudes genutzt.“
Ab Juni beginnt die dritte Phase mit der Sanierung der beiden Faultürme. Die rund 40 Jahre alten Betonkonstruktionen wurden durch die jahrzehntelangen Faulprozesse stark beansprucht. In den Faultürmen wird Klärschlamm auf 38 Grad erhitzt, wodurch ein natürlicher Vergärungsprozess stattfindet, bei dem Methan entsteht.

Die energetische Sanierung der Kläranlage geht in die nächste Phase: Die großen Faultürme, in denen Klärschlamm erhitzt wird und dann Methan entsteht, müssen ab Mitte Juni entleert werden. Trotz der Gebläse, die die Luft verdünnen, kann es zeitweise „müffeln“. Foto: Gerd Neuwirth/sbn
Die Sanierung erfolgt schrittweise: Nach der Entleerung und Reinigung werden Betonproben genommen. Dabei kann es ab Mitte Juni zeitweise zu Geruchsbelästigungen in der Umgebung kommen: „Es wird etwas müffeln, aber mit einem Gebläse wird die geruchsintensive Luft verdünnt und nach oben abgeleitet.“
Neben der Sanierung des Betons wird auch die Technik modernisiert: „Ein neues Mischwerk benötigt mit 7,5 Kilowatt pro Stunde nur ein Drittel des Stroms im Vergleich zum alten System. Gleichzeitig sorgt es für eine bessere Durchmischung des Klärschlamms, was zu höheren Methanerträgen führt. Das gewonnene Gas ist zudem sauberer und hat einen höheren Brennwert“, erklärt der Techniker.
Eine verbesserte Wärmedämmung der Faultürme reduziert zudem den Energiebedarf für die konstante Temperierung auf 38 Grad erheblich.
Die Zahlen belegen die Wirksamkeit der Maßnahmen: Bisher produzierte die Kläranlage 600.000 Kilowattstunden Strom aus Methangas. Nach Abschluss der Sanierung wird eine Produktion von 1,6 Millionen Kilowattstunden prognostiziert. Zusammen mit der zusätzlichen Stromgewinnung durch die Photovoltaikanlage wird ein Eigenversorgungsgrad von 60 Prozent des Gesamtenergiebedarfs angestrebt.
Die Techniker rechnen mit einer Sanierungsdauer von etwa drei Jahren, da die Faultürme nacheinander modernisiert werden müssen. Die Investition zahlt sich durch geringere Betriebskosten, höhere Energieeffizienz und stabilere Gebühren aus. Die Kläranlage entwickelt sich zu einem Vorzeigemodell für nachhaltige Energiegewinnung im kommunalen Bereich.

