Ja, es kann durchaus sein, dass die Demission von Bärbel Bas bei einigen in der Union klammheimliche Freude auslöst. Der Vorgang zeigt nämlich exemplarisch, mit wie viel mangelnder Empathie und Moral im Politikbetrieb unserer Republik agiert wird. Wer jedoch nach diesem Motto politisch arbeitet, zeigt nämlich, mit welch hohem Maß an Verkommenheit bestimmte Figuren in der Berliner Politik meinen, ihre Vorstellungen durchsetzen zu können. Der Rücktritt von Bärbel Bas steht beispielhaft auch für den Rückgang der politischen Kultur in diesem Lande. Es wird jetzt darauf ankommen, den perfiden Umgang mit dem politischen Gegner möglichst schnell öffentlich zu machen und darauf hinzuarbeiten, dass auch in der Union wieder so agiert wird, dass man Überzeugung und Leidenschaft in der Auseinandersetzung ehrlich und aufrichtig weiterverfolgt, ohne jedoch den politischen Gegner zu verletzen und zu zerstören.

Der Rücktritt von Bärbel Bas muss für alle ein Lehrstück sein, dass man zwar in der Sache hart und kämpferisch kämpfen muss und gleichzeitig aber nicht den Mann oder die Frau, sondern den Ball treffen muss, wenn man politisch argumentiert. Wer das nicht will, sollte die Finger weglassen von politischem Engagement. Empathie, ehrliches Mitgefühl und Respekt für die eigenen Grundwerte, in diesem Fall die christlichen, sollten wieder ins Bewusstsein zurückkehren. Nach dem, was wir auf Bundesebene verfolgen mussten, sollte auch darauf hingewiesen werden, dass fernab der Bundespolitik in vielen Kommunen mit Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern Ähnliches praktiziert wird. Und das sind Menschen, die aus tiefer Überzeugung versuchen, mit den Parteien, denen sie angehören, das Beste in der Sache zu erreichen und damit oftmals am Egoismus der Platzhirsche scheitern. Versuchen wir also, Mobbing in der Politik zu unterlassen und zu einem menschlichen Umgang miteinander zu finden. Leider könnten ansonsten Personen der Rechtsextremen wie etwa der AfD vom unmenschlichen Verhalten profitieren. Hoffentlich erleben wir nicht das Ende dieser zweiten deutschen Republik. Die Verantwortung muss für alle Verantwortlichen deutlich werden.