Gemeinsame Übung von Notfallverbund Koblenz und Feuerwehr

Fotos: LBZ/Denise Bernhardt
Koblenz. Wassereinbruch – als die Feuerwehr ins Kellergeschoss des Landesbibliothekszentrums gelangt, findet sie in den Regalen meterweise durchnässte Bücher vor. Jetzt ist Eile geboten, um das beschädigte Schriftgut zu retten, denn darunter befinden sich wertvolle Schätze. – Ereignet hat sich der Vorfall am Samstag, den 11. April 2026, allerdings nicht als Ernstfall, sondern als geplante Übung vonseiten der Feuerwehr und des Notfallverbundes der Stadt Koblenz.

Ein Szenario, das sich im Fall von Unwetter, Hochwasser oder einem Wasserrohrbruch genauso zutragen könnte. Auf dem Plan stand das erstmalige Einüben von Alarmierungs- und Arbeitsabläufen sowie der Umgang mit den Materialien des vor Kurzem beschafften Ausrüstungssatzes für den Kulturgutschutz, der bei der Bergung und Erstversorgung zum Einsatz kommen soll. Beteiligte an der Übung waren neben der Berufsfeuerwehr auch die Freiwillige Feuerwehr Koblenz-Bubenheim sowie der Notfallverbund der Stadt Koblenz, ein Zusammenschluss von Kulturgut bewahrenden Einrichtungen, um sich im Notfall gegenseitig zu helfen.

„Übungen wie diese mit den zuständigen Einsatzkräften sind äußerst wichtig“, betont Beate Umann, Vorsitzende des Koblenzer Notfallverbundes. Sie ist zugleich Leiterin der Landesstelle Bestandserhaltung (LBE), die sich für den Kulturgutschutz im Land und unter anderem auch für die Gründung von regionalen Notfallverbünden stark macht. „Wir proben für den Ernstfall, der hoffentlich nie eintreten wird – aber dann müssen die Abläufe im Zusammenspiel mit den Einsatzkräften etabliert sein und alle Beteiligten über Sicherheit bei der Anwendung der Materialien des Ausrüstungssatzes verfügen“, führt Umann weiter aus. Denn bei der Bergung von Kulturgut ist Eile geboten: So setzt bei Schäden durch Feuchtigkeit an Schriftgut bereits nach zwei Tagen Schimmelbildung ein, was zu einem irreparablem Schaden führen kann. 

Probten den Ernstfall: Feuerwehr und Notfallverbund der Stadt Koblenz im Innenhof des Landesbibliothekszentrums / Rheinische Landesbibliothek. Fotos: LBZ/Denise Bernhardt

Die zur Übung angerückte Feuerwehr hatte das für die Übung erforderliche Material mit an Bord: Eine auf die Rettung von Kulturgut abgestimmte Ausrüstung hat die Berufsfeuerwehr Koblenz bereits 2025 besorgt und bei sich gelagert. Für die Logistik ist die Freiwillige Feuerwehr Koblenz-Bubenheim zuständig, d.h. für den Transport sowie für den Auf- und Abbau der Gitterwagen des Ausrüstungssatzes.

Dieser beinhaltet spezielle Materialien, mit denen beschädigtes Kulturgut geborgen und erstversorgt werden kann. Darunter befinden sich zum Beispiel Stretchfolien zum Verpacken von durchnässtem Schriftgut – ein wichtiger Arbeitsschritt für die sich anschließenden Folgemaßnahmen bei einem auf Kulturgutrettung spezialisierten Dienstleister. Ebenso enthalten sind Räumwerkzeuge, Arbeitstische, Materialien zur Dokumentation und Verpackung sowie Overalls und Handschuhe für die Helfenden.

Diese Ausstattung kam bei der Übung mit durchnässtem Schriftgut zum Einsatz. Sie eignet sich ebenso für die Rettung von anderem Kulturgut, wie zum Beispiel Gemälden oder Skulpturen. Bei den regelmäßigen gemeinsamen Übungen des Notfallverbundes gehört neben den Abläufen und dem Einsatz der Materialien auch das Kennenlernen der jeweiligen örtlichen Gegebenheiten dazu.

Die Feuerwehr stellte die Ausrüstung für die Übung bereit.  Fotos: LBZ/Denise Bernhardt

„Im Stadtgebiet Koblenz ist in den Kulturgut bewahrenden Einrichtungen von Stadt, Land und Bund ein reicher Schatz an kulturellen Gütern von großer Bedeutung vorhanden, den wir mit dem Notfallverbund Koblenz und den Feuerwehren bei möglichen Gefahren in guten Händen wissen“, so Ingo Schneider, Bildungs- und Kulturdezernent der Stadt Koblenz. „Ich bedanke mich daher für das vielfach ehrenamtliche Engagement aller Beteiligten. Die Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung unabhängig von der Trägerschaft der Einrichtung macht den Koblenzer Notfallverbund zu einem wichtigen Akteur bei der Bewahrung unseres kulturellen Erbes.“

Für das Landesbibliothekszentrum ist das Engagement im Notfallverbund ein wichtiges Anliegen“, betont Hans-Günter Scheer, kommissarischer Leiter des Landesbibliothekszentrums, der es sich nicht nehmen ließ, bei der Übung dabei zu sein. „Zum einen bewahren wir in der Rheinischen Landesbibliothek Kulturgut von historischer und landeskundlicher Bedeutung. Zum anderen bringen wir mit der im LBZ angesiedelten Landesstelle Bestandserhaltung zusätzliche Expertise für den Kulturguterhalt in Rheinland-Pfalz ein. Daher freue ich mich besonders, dass der Koblenzer Ausrüstungssatz für den Kulturgutschutz bei dieser Übung erstmalig im LBZ / Rheinische Landebibliothek zur Anwendung gekommen ist und wir auf diese Weise die Zusammenarbeit zwischen Kulturgut bewahrenden Einrichtungen und den Einsatzkräften aktiv unterstützen können.“

Feuerwehr und Notfallverbund zogen nach erfolgter Übung ein positives Fazit. In einem ersten Schritt konnten die Abläufe und der Umgang mit der Ausrüstung für die Kulturgutrettung erprobt werden. Weitere gemeinsame Übungen sollen folgen, um die gewonnenen Erfahrungen zu vertiefen und zu verstetigen.
Zu Schaden kam bei der Übung im Übrigen kein wertvolles Kulturgut, sondern lediglich ausgesondertes Material.

Der Notfallverbund der Stadt Koblenz wurde 2012 gegründet und setzt sich zusammen aus derzeit acht Kulturgut bewahrenden Einrichtungen des Bundes, des Landes, der Stadt sowie dem Amt für Brand- und Katastrophenschutz der Stadt Koblenz. Ziel eines Notfallverbundes ist die wechselseitige Hilfe im Katastrophenfall, unabhängig von der Trägerschaft der einzelnen Einrichtungen. Beteiligte Einrichtungen im Stadtgebiet sind derzeit: Bundesarchiv, Generaldirektion Kulturelles Erbe, Landesbibliothekszentrum, Landeshauptarchiv, Ludwig-Museum, Mittelrhein-Museum, Stadtarchiv und Stadtbibliothek Koblenz.

Neben dem Notfallverbund in Koblenz bestehen in Rheinland-Pfalz weitere Notfallverbünde in Mainz, Speyer und Trier (im Aufbau).

Mitglieder des Notfallverbundes Koblenz übten die Erstversorgung von beschädigten Büchern.  Fotos: LBZ/Denise Bernhardt