SWN-Chef kritisiert die Fokussierung auf Fernwärme und Wärmepumpen und erinnert an soziale Verantwortung

11.03.2026

Neuwied. Die Debatte um das Heizungsgesetz hat viele Hausbesitzer verunsichert. Ist die Wärmepumpe die alleinige Alternative oder Ergänzung zur Fernwärme? „Ganz sicher nicht. Wir brauchen eine ehrlichere und differenziertere Kommunikation über die Vor- und Nachteile verschiedener Heizsysteme. Es gibt keine Lösung für alles“, erklärt SWN-Geschäftsführer Stefan Herschbach. 
Wärmepumpen funktionierten in Neubauten hervorragend. „Wenn ich mir den Gebäudebestand in Neuwied anschaue, dann stoßen wir in unsanierten Altbauten aber auch an technische und wirtschaftliche Grenzen.“ Klar sei, das mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts auch Neuwied bis 2045 klimaneutral heizen müsse. „Wir müssen raus aus dem Gas. Unser Weg darf aber nicht in die Sackgasse führen. Das heißt, wir brauchen realistische Einschätzungen. Auch als SWN können und wollen wir nichts in rosarot zeichnen.“

Die kommunale Wärmeplanung der Stadt sei ein wichtiger Baustein: „Was theoretisch geht, müssen wir auf die Praxistauglichkeit abklopfen. Gerade hinsichtlich der Fernwärme. Wir können nicht 80 bis 90 Millionen ins Leitungsnetz und weitere 40 Millionen in eine Heizzentrale investieren, wenn Anschluss und Betrieb für die Kunden zu teuer oder es für uns zum Geldgrab wird.“ 
Als problematisch sehen die Experten in der Hafenstraße vor allem die technischen Einschränkungen bei älteren Häusern: Während konventionelle Heizungen Vorlauftemperaturen von bis zu 80 Grad erreichen, kommen Standard-Wärmepumpen meist nur auf 55 Grad. Das ist meist zu wenig für schlecht gedämmte Gebäude mit alten Heizkörpern. „Da können wir nicht unisono Wärmepumpen empfehlen, wenn die gewünschten Raumtemperaturen im Winter nicht erreicht werden.“ 
Alternativen könnten Hybridlösungen sein: Eine Kombination aus Wärmepumpe für die Grundlast und bestehender Gasheizung für besonders kalte Tage. „Aber wir stehen gerade alle auch noch vor der Frage, was mit dem neuen Gebäudemodernisierungskonzept im Detail geregelt wird.“ Wichtig bleibe eine gebäudeindividuelle Beratung, die Gebäudealter, Dämmstandard und individuelle Lebenssituation der Bewohner berücksichtige. „Für ein junges Paar, das ein Altgebäude kernsaniert, kann die Wärmepumpe ideal sein. Für ein älteres Ehepaar im Ruhestand mit begrenztem Budget und ohne Sanierungsabsicht ist möglicherweise eine moderne Gasheizung mit perspektivisch steigendem Biogas-Anteil die bessere Wahl", sagt Herschbach. 
„Als kommunaler Energieversorger sehe ich unsere Verantwortung darin, Menschen ehrlich zu beraten statt Universallösungen zu versprechen, die später zu Enttäuschungen führen könnten“, so der SWN-Chef. Man habe auch eine soziale Verantwortung. In der Hafenstraße erarbeite man eine Handreichung, mit der man abschätzen könne, ob ein Haus für die Wärmepumpe geeignet ist. „Nicht zuletzt kann es dort, wo keine Fernwärme hinkommt, Quartiers- oder Insellösungen geben, die wir im Lauf des weiteren Prozesses untersuchen wollen. Auch für diese Fragen wird die Kommunale Wärmeplanung alle fünf Jahre aktualisiert und fortgeschrieben.“