Projekt „Mehr als nur Grün“ eröffnet moderne Perspektiven

18.03.2026   PD-Nr. 071-2026    Foto: Susanne Hildebrandt
 KREIS MYK. Die Bestattungskultur befindet sich im Wandel. In den vergangenen Jahren ist ein deutlicher Trend zur Urnenbestattung zu beobachten, zugleich wächst der Wunsch nach pflegearmen oder pflegefreien Grabformen. Mit dem neuen Bestattungsgesetz in Rheinland-Pfalz zeichnen sich zudem weitere Veränderungen ab: Künftig werden auch Bestattungsformen außerhalb klassischer Friedhöfe – etwa Flussbestattungen – stärker in den Fokus rücken. Vor diesem Hintergrund stellt sich zunehmend die Frage, wie Friedhöfe zukunftsfähig gestaltet werden können. In Nickenich hat man auf diese Entwicklungen bereits reagiert. Das Bestattungsangebot wurde neu ausgerichtet und die Aufenthaltsqualität gezielt verbessert. 

Friedhöfe werden dabei nicht nur als Orte der letzten Ruhe verstanden, sondern auch als wichtige Räume für Trauer, Begegnung und Erholung. Als kulturell bedeutsame Anlagen erfüllen sie vielfältige Funktionen und gewinnen darüber hinaus als Grünflächen an Bedeutung: Sie schaffen Lebensräume für Tiere und Pflanzen, fördern die biologische Vielfalt und leisten einen Beitrag zur Klimaanpassung. Bauhofleiter Hans-Erich Schwarz behält dabei sowohl die gestalterische Entwicklung des Nickenicher Friedhofs als auch die wirtschaftlichen Aspekte im Blick. „Besonders gefragt sind derzeit die unterschiedlichen Formen der Baumbestattung“, berichtet er. Der Friedhof in Nickenich bietet hierzu eine breite Auswahl an Baumarten, die unter anderem als Familienbäume genutzt werden können. Viele Bürger schätzen dieses Angebot vor Ort.

Pflanzzeit für Wildsträucher auf dem Friedhof in Nickenich für mehr Aufenthaltsqualität für Pflanzen, Tiere und Friedhofsbesucher.   Foto: Susanne Hildebrandt

Die aktuelle Pflanzzeit im März wird nun genutzt, um einen Randbereich des Friedhofs naturnah neu zu gestalten. Nachdem dort in den vergangenen Jahren Grabflächen zurückgebaut wurden, entsteht eine strukturreiche Heckenlandschaft mit heimischen Wildgehölzen. In kleinen Gruppen sowie als Solitärpflanzungen werden die Sträucher gezielt angeordnet. „Wir schaffen hier einen neuen Lebensraum für Tiere und Pflanzen, die sich künftig ansiedeln können, und zugleich einen attraktiven Bereich für die Friedhofsbesucher“, erläutert Susanne Hildebrandt, die das Projekt „Mehr als nur Grün“ seit mehreren Jahren begleitet. Perspektivisch könnten sich daraus auch neue Bestattungsformen entwickeln. Denkbar wären beispielsweise Ruhestätten unter Heckenkirschen, Wildrosen, Felsenbirnen oder Quittenbäumen.
Ermöglicht wird die Umsetzung durch eine Förderung im Rahmen der Aktion Grün des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität Rheinland-Pfalz. Das Projekt „Mehr als nur Grün“ ist ein Gemeinschaftsvorhaben des Landkreises Mayen-Koblenz und der Stadt Koblenz. Weitere Informationen sind online abrufbar.