
Am Freitag war es nach einem Jahr Bauzeit so weit: Das Schöppchen 2.0 wurde offiziell eröffnet. Und am Samstag konnten die Neuwieder beim Tag der offenen Tür einmal hinter die Kulissen schauen. Begleitet wurde die Veranstaltung von einem Kunstprojekt des NKVM, das in diesen Räumen für viel Aufmerksamkeit und interessierte Besucher sorgte.
Helle, saubere Räume erwarteten die Besucher, ebenso wie eine Auswahl an beeindruckenden Kunstwerken – auch wenn ich aufgrund des großen Andrangs leider nicht alle fotografieren konnte. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann dies in den nächsten Tagen nach vorheriger Anmeldung gerne tun.

Besonders berührend fand ich die Möglichkeit, sich einmal in die Situation der Wohnungslosigkeit hineinzuversetzen. Sicher kein ganz einfaches Erlebnis.
Wir denken meist, Obdachlosigkeit sei weit weg. „Mich betrifft es ja nicht.“ Aber die Schwelle dorthin ist oft dünner, als man denkt. Was passiert, wenn man durch einen schweren Verlust oder Krankheit plötzlich das eigene Leben – Finanzen, Behördengänge und vieles mehr – nicht mehr bewältigen kann? Wenn man vielleicht sogar nicht mehr in der Lage ist, Hilfe von Freunden anzunehmen? Der Weg dorthin ist manchmal schneller als gedacht – der Weg heraus aber oft sehr steinig.

Vielleicht fragt sich jetzt der eine oder andere noch: Wohnungslos und obdachlos – ist das nicht das Gleiche? Nicht ganz. Als wohnungslos wird ein Mensch bezeichnet, der zum Beispiel keinen Mietvertrag und keine gemeldete Anschrift hat, etwa wenn er bei Freunden auf dem Sofa schläft. Obdachlos ist jemand, der wortwörtlich kein Dach über dem Kopf hat.
Umso wichtiger ist es, dass es Einrichtungen wie das Schöppchen sowie Organisationen wie die Caritas und viele ehrenamtliche Helfer gibt. Und es ist gut, dass der NKVM der Eröffnung und diesem wichtigen Thema die nötige Aufmerksamkeit verschafft.

Hintergrundinformation:
Anbei findet ihr ergänzende Details zur Ausstellung, die mir freundlicherweise vom NKVM zur Verfügung gestellt wurden:
Kunst im „Schöppchen 2.0“ – Ein Projekt des Neuen Kunstverein Mittelrhein eV
Anlässlich der Eröffnung einer neuen Tageseinrichtung für die Betreuung und Beratung von obdachlosen und wohnungslosen Menschen in Neuwied – dem sogenannten „Schöppchen 2.0“ – initiiert der Neue Kunstverein Mittelrhein (NKVM) ein besonderes Ausstellungsprojekt.

Der moderne Neubau verfolgt ein ganzheitliches Konzept: Er soll betroffenen Menschen Perspektiven für ein besseres Leben eröffnen und eine nachhaltige Integration in die Stadtgesellschaft ermöglichen. Genau hier setzt der Kunstverein an – mit künstlerischen Impulsen, die gemeinsam mit Betroffenen, Künstler:innen und Bürger:innen entwickelt werden. Ziel ist es, Räume der Begegnung, des Austauschs und der Wertschätzung zu schaffen.

Bereits zur Einweihung der Einrichtung am 07. März 2026 werden ausgewählte Werke aus dem Bestand des NKVM in den neuen Räumlichkeiten präsentiert. Vertreten sind unter anderem Mitglieder des Kunstvereins wie Thomas Naethe, Cony Theis, Violetta Richards und Alexander Heyduczek. Darüber hinaus werden Arbeiten der Artothek unter anderem von Candida Höfer, Maximiliane Baumgartner und Rosemarie Trockel gezeigt.
Die Ausstellung versteht sich nicht nur als künstlerischer Beitrag zur Eröffnung, sondern als lebendiger Auftakt für einen langfristigen Dialog zwischen Kunst, sozialem Engagement und Stadtgesellschaft. Im Sommer 2026 sind weitere künstlerische Kooperationen zwischen NKVM und der Caritas geplant. Die Ausstellung in der neuen Tageseinrichtung, Heddesdorfer Str. 5 in 56564 Neuwied ist per Anmeldung zu besuchen.

EG
Alexander Heyduczek: Graffiti, Acryl auf Leinwand, 2025
Christiane Klein: „Tränen im Urwald“, Ölpigment auf Papier, 2025

OG
Konferenzraum
Cony Theis: „Communication imaginäre“, Digitalprints, 2016
Maximiliane Baumgartner: „Kohlrabiapostel interpretiert von B. T“, Lack auf Alu-Dibond, 2019
Sonja Alhäuser: „Du mußt filitieren lernen“, Zeichnung, Aquarell, 2018

Büro
Anna Heidenhain: „Kein Radius ohne Schnittmenge“, Malerei auf Leinwand, 2022
Thomas Naethe: „Rasselstein“, Fotografien, 2025
Helga Gans-Eichler: o.T., Malerei auf Leinwand, 2025

Besprechungsraum 1
Rosemarie Trockel: „New Präsident“, UV-Offsetdruck auf Papier, 2013
Katja Mölich: Ohne Titel, Acryl und Öl auf Leinwand, 2025
Martin Maeller: „untitled (Roses for NKVM)“, Siebdruck auf Sandpapier, 2023
Besprechungsraum 2
Violetta Richard: „Zyklop“, Acryl auf Leinwand,
Uta Weiler: Zeichnung, 2024
Sophie Thun: Ohne Titel, Fotografie/Handabzug, 2017 (n.v.)
Candida Höfer: „Two Doors“, Fotografie/Offsetdruck, 2019

Flur
Marta Vovk: „Vater Unser“, Digitaldruck, 2022
Lena Anouk Philipp: „Talking to a friend on the phone“, Farbige Tinte auf Papier, 2025
Heidetraut Kluckow: „Hinterhof“, Öl auf Leinwand, 2025
Melike Kara: Ohne Titel, Aquarell, Buntstift auf Papier, 2016
Ruheraum
Antonia Fournier: „Die Büglerin“, Tinte auf Papier, 1990
Maryam Aghaalikhani: o.T., Öl auf Geldscheine, 2024
Lou Balthasar: „Origami Excercieses“, Aquarell und Tusche auf gefalteten Papier, 2025

Arztraum
Norbert Bleidt: „Rote Punkte“, Acryl auf Holz, 2022
Stefan Fuchs: „Silver (small)“, Acryl auf Leinwand, montiert auf Karton, 2024
Stefanie Manhillen: „LOST“, grundierte Leinwand, Heu, Kohle, 2018
Kleiderkammer
Alexander Povzner: „at once a house left a man“, Acryl auf Papier, 2025

