Dass der dortige AfD-Kreisvorsitzende Martin Kallweit auf einer Veranstaltung seiner Partei in Ahrweiler Helmut Schmidt und Willy Brandt als seine politischen Vorbilder bezeichnete und behauptete, beide wären heute ganz sicher Mitglieder der AfD, ist nach einer Stellungnahme der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung ein sattsam bekanntes Muster des Missbrauchs Helmut Schmidts durch Rechtspopulisten für parteipolitische Zwecke. Dr. Meik Woyke, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung und promovierter Historiker, stellt klar heraus, niemals hätte Helmut Schmidt die AfD gewählt, und er nennt drei wichtigste Argumente:
Erstens war Schmidt ein überzeugter Demokrat, der populistische Vorurteile, Fremdenhass und Intoleranz verurteilte. Zweitens trat er für eine starke Europäische Union ein, für die Verständigung der Völker und ein friedliches Zusammenleben der Religionen. Und drittens bekämpfte er als Lehre aus seinen Erfahrungen unter dem NS-Regime den Rechtsextremismus ebenso konsequent wie den RAF-Terrorismus. So warnte Helmut Schmidt im Jahre 2015 in einem Interview vor den Pegida-Protesten. Sie appellierten an dumpfe Vorurteile, an Fremdenhass und Intoleranz, und das sei nicht Deutschland, denn Deutschland müsse weltoffen und tolerant bleiben.
Erinnert sei zudem daran, dass der damalige Bundeskanzler Willy Brandt am 7. Dezember 1970 am Denkmal für die Opfer des jüdischen Warschauer Ghettos niederkniete, um aller Opfer der Nazi-Herrschaft zu gedenken. Die Behauptung, dass Willy Brandt heute Mitglied einer Partei wäre, deren ehemaliger Partei- und Fraktionsvorsitzender Alexander Gauland die Herrschaft der Nazis als „Vogelschiss in der Geschichte“ verharmloste, kann man nur noch als schamlos und dreist, als obszön bezeichnen.

