Neuwieder Seniorenbeirat lud zu Vortrag über Altersarmut

Foto: Melanie Lange
Das Thema Altersarmut bewegt viele Menschen – auch in Neuwied. Entsprechend groß war das Interesse an der öffentlichen Sitzung des städtischen Seniorenbeirats, bei der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Stefan Sell einen Fachvortrag hielt. Neben den Beiratsmitgliedern folgten seinen Worten rund 25 Gäste. Der lebendige Vortrag mündete in einer engagierten Diskussion mit zahlreichen Fragen aus dem Publikum.

In seiner Präsentation „Alt werden in Deutschland – Kreuzfahrt oder Tafel?“ beleuchtete der Professor vom RheinAhrCampus Remagen der Hochschule Koblenz die aktuelle Situation älterer Menschen in Deutschland. Er machte deutlich, wie unterschiedlich die Lebensrealitäten im Ruhestand sind: Während viele Seniorinnen und Senioren finanziell gut abgesichert sind, wächst die Zahl der Menschen, die mit sehr begrenzten Mitteln auskommen müssen. Etwa jede fünfte Person über 65 Jahre gilt als armutsgefährdet – ein Befund, der angesichts des demografischen Wandels weiter an Bedeutung gewinnt. Damit rücken Fragen der Alterssicherung, der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung sowie unterstützender Strukturen vor Ort stärker in den Fokus. Gleichzeitig machte der Experte deutlich: Grundlegende finanzielle Gegebenheiten lassen sich nur auf Bundesebene lösen. Ein Zusammenspiel aus haupt- und ehrenamtlichen Tätigkeiten ermöglicht hingegen direkt vor Ort konkrete Hilfen. Das Themenfeld Wohnen markierte Sell als zentrale Frage einer demografiesensiblen Kommunalpolitik.

Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Stefan Sell beim anschaulichen Vortrag vor über 40 Interessierten. 

Brigitte Neumann, Vorsitzende des Seniorenbeirats, wies bereits in ihrer Begrüßung auf soziale Unterschiede im Alter hin: „Eine große Zahl älterer Menschen kann den Ruhestand vollkommen frei von finanziellen Sorgen gestalten, während andere spätestens am Monatsende nicht mehr wissen, wie sie über die Runden kommen ohne den Gang zur Tafel.“ Bürgermeister Peter Jung unterstrich zusätzlich: „In Neuwied erhalten derzeit mehr als 900 Seniorinnen und Senioren Grundsicherung im Alter. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, der trotz eines langen Arbeitslebens finanzielle Unterstützung braucht.“ Für die künftige Arbeit des Seniorenbeirats bot der Vortrag wichtige Informationen und Denkanstöße. Die lebhafte Diskussion ergab auch konkrete Anregungen für die Arbeit in Neuwied. Sell betonte mehrfach als zentral: „Es müssen stabile Netzwerke vor Ort geknüpft werden."