
Konjunktur im Landkreis Neuwied trübt sich weiter ein
Fotografin: Babak Asgari (Babssi Film)
Neuwied. Die wirtschaftliche Stimmung im Landkreis Neuwied zeigt sich zum Frühsommer 2026 insgesamt stabil, hat sich jedoch im Vergleich zur Vorumfrage deutlich eingetrübt. Während die Umfrageergebnisse zum Jahresbeginn noch auf eine leichte Aufhellung hindeuteten, fallen sie im Frühsommer wieder etwas verhaltener aus. Der IHK-Konjunkturklimaindex, der die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen zusammenfasst, erreicht aktuell 100 Punkte und liegt damit exakt im neutralen Bereich zwischen positiver und negativer Gesamtstimmung. Gegenüber der Vorumfrage ist damit ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen (Jahresbeginn 2026: 118 Punkte).
Die aktuelle Geschäftslage der Unternehmen bleibt insgesamt noch solide, hat sich gegenüber dem Jahresbeginn jedoch abgeschwächt. 77 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als „gut“ oder „befriedigend“, wobei weiterhin das mittlere Lagebild überwiegt. Der Anteil der Unternehmen mit negativer Lagebeurteilung hat dagegen zugenommen und liegt aktuell bei 23 Prozent.
Auch die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate fallen zurückhaltender aus als noch zu Jahresbeginn: 20 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftsentwicklung, 58 Prozent erwarten eine gleichbleibende Lage und 22 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus. Der Erwartungssaldo liegt damit bei –2 Prozentpunkten und ist im Vergleich zur Vorumfrage deutlich zurückgegangen.
Die Investitions- und Beschäftigungspläne der regionalen Unternehmen entwickeln sich ebenfalls verhalten. Während jeweils 40 Prozent mit steigenden oder gleichbleibenden Investitionen rechnen, will jedes fünfte Unternehmen die Investitionstätigkeit reduzieren. Die Beschäftigungsabsichten bleiben stabil: 85 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem steigenden oder konstanten Personalbestand.
Beim Blick auf die Geschäftsrisiken für die kommenden 12 Monate werden die Energie- und Rohstoffpreise von 77 Prozent der Unternehmen als zentrale Herausforderungen genannt. Auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (58 Prozent) sowie die Arbeitskosten (51 Prozent) werden als zunehmend problematisch wahrgenommen.

Dr. Kai Rinklake (Vorsitzender des IHK-Regionalbeirats Neuwied). - Fotografin: Babak Asgari (Babssi Film)
Dr. Kai Rinklake, Vorsitzender des IHK-Regionalbeirats für den Landkreis Neuwied, ordnet die Ergebnisse ein: „Die Konjunkturumfrage zeigt für den Landkreis Neuwied eine klare Eintrübung der wirtschaftlichen Lage. Nach der noch positiven Entwicklung zu Jahresbeginn ist der Aufwärtstrend erloschen, der Konjunkturklimaindex liegt mit 100 Punkten im neutralen Bereich. Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Situation zwar überwiegend als stabil, die Erwartungen haben sich jedoch deutlich abgeschwächt. Hohe Energie- und Rohstoffpreise, steigende Arbeitskosten sowie unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen bleiben die zentralen Belastungsfaktoren und dämpfen Investitionen und Beschäftigung. Vor diesem Hintergrund braucht es seitens der Politik vor allem verlässliche Rahmenbedingungen, eine spürbare Entlastung bei Bürokratie sowie wettbewerbsfähige Energiepreise, um die Investitionsbereitschaft der Unternehmen wieder zu stärken.“

