
Was die historischen Wegekreuze und Flurdenkmäler in der Pfarrei Hl. Katharina Kasper Am unteren Mittelrhein erzählen
Von Andreas Kossmann, Fotos: Thomas F. Müller
Wer mit offenen Augen durch die Kirchorte Rheinbrohl, Bad Hönningen, Leubsdorf, Hammerstein und Leutesdorf streift, kreuzt unweigerlich historische Wegmarken von besonderem Wert. Ob das geschichtsträchtige „Schwarze Kreuz“ bei Hammerstein, das restaurierte Wegekreuz in Arienheller, kunstvoll gearbeitete Bildstöcke wie das Gebildeichshäuschen oder die sakralen Zeugnisse entlang der Weinbergswege – sie alle prägen die Kulturlandschaft am unteren Mittelrhein auf ganz eigene Art.

Moderne Wander- und Radwege erfreuen sich in der Region großer Bedeutung. Doch oft gehen die stummen Botschaften am Wegesrand im touristischen Alltag unter. Dabei sind Flurdenkmäler wie alte Wegekreuze, Votivtafeln oder historische Grenzsteine die wahren, steinernen Geschichtsbücher der Pfarrei.

Viele dieser Denkmäler erzählen von ganz konkreten historischen Wendepunkten und menschlichem Schicksal. Ein prominentes Beispiel an der Gemarkungsgrenze zu Hammerstein ist das „Schwarze Kreuz“ von 1666: Es erinnert an die verheerende Pestzeit, von der die Hammersteiner damals durch die Fürbitte des heiligen Sebastian verschont geblieben sein sollen. Aber auch an anderen Stellen des Pfarreigebiets – wie dem wiederhergerichteten historischen Wegekreuz am Ersten Bergsweg in Rheinbrohl, das dank des Einsatzes von Heimatfreunden und Handwerkern seine alte Würde zurückerhielt – begegnet man auf Schritt und Tritt greifbarer Ortsgeschichte. Sie wurden einst aus tiefer Dankbarkeit, zum Gedenken an schwere Unglücke, als Prozessionsstationen oder als spirituelle Schutzmarkierungen an Feld- und Waldkanten errichtet und spiegeln den Glauben sowie die Sorgen vergangener Generationen wider.
Besonders in diesem landschaftlich reizvollen Abschnitt zwischen Rhein und den Höhenlagen, wo römische Limes-Vergangenheit und fränkisch-rheinische Kultur eng aufeinandertreffen, lohnt sich ein bewusster Blick auf diese Kleindenkmäler. Die Vielfalt von den Rheinufern der Kirchorte bis hinauf in die Weinberge und Anhöhen zeigt, wie tief verwurzelt diese Tradition einst in den Dorfgemeinschaften war.

Viele dieser kulturhistorischen Kleinode verdanken ihr heutiges Überleben dem stillen, aber ausdauernden Engagement von Heimatfreunden, Arbeitsgemeinschaften, Nachbarschaften und Kirchengemeinden, die sich um die Pflege, Reinigung und Instandhaltung kümmern. Damit bewahren sie nicht nur sakrale Volkskunst für kommende Generationen, sondern halten auch die Erinnerung an die Menschen lebendig, die diesen Lebensraum über Jahrhunderte hinweg gestaltet haben. Ein Spaziergang zu diesen geschichtsträchtigen Punkten lohnt sich zu jeder Jahreszeit und lädt dazu ein, die Heimat neu zu entdecken.



