
– Wie das Mittelrheintal seine antike Weinkultur für die Zukunft neu beleben kann
Von Andreas Kossmann, Fotos: Thomas F. Müller
Bad Hönningen. Das Mittelrheintal ist weltbekannt für seine einzigartige Kulturlandschaft, die gleich drei UNESCO-Welterbestätten beherbergt: das Obere Mittelrheintal sowie den Obergermanisch-Raetischen und den
Niedergermanischen Limes. Doch eine historische Verbindung gerät zunehmend in den Hintergrund: die gemeinsame Wiege von römischer Geschichte und traditionellem Weinbau. In seiner IHK-Projektarbeit als Zertifizierter „Kultur- und Weinbotschafter Mittelrhein“ widmet sich der Bad Hönninger Thomas Müller intensiv der Frage, ob die Wurzeln des regionalen Weinbaus in der Antike liegen
und wie dieses Erbe heute genutzt werden kann, um das flächenmäßig kleinste deutsche Weinanbaugebiet bekannter zu machen.

Fotos: Thomas F. Müller
Vom antiken Erbe zum modernen Kleinod
Während an der Mosel zahlreiche römische Kelteranlagen gut erforscht und touristisch erschlossen sind, ist die Beweislage im Mittelrheintal subtiler, aber eindeutig. Indizien wie ein antiker Kelterstein in Koblenz, archäologische Pflanzspuren bei Andernach sowie literarische Zeugnisse – wie die berühmten Gedichte des Venantius Fortunatus aus dem 6. Jahrhundert – belegen, dass die Römer den Weinbau und eine ausgeprägte Trinkkultur an den Rhein brachten. Einst ein florierender
Wirtschaftszweig und ein wesentlicher Grund für die einzigartige Kulturlandschaft, ist die bestockte
Rebfläche im Tal im Laufe der Jahrhunderte drastisch von einst 3.600 Hektar im Jahr 1835 auf heute nur noch 378 Hektar geschrumpft.

Fotos: Thomas F. Müller
Konkrete touristische Chancen und Potenziale
Müller kritisiert in seiner Analyse, dass die regionalen Museen und Bildungseinrichtungen die
historisch eng verknüpften Themen „Römer“ und „Wein“ bisher meist getrennt voneinander präsentieren. Um diesem ungenutzten Potenzial abzuhelfen, schlägt der Autor konkrete, praxisnahe Maßnahmen vor: So könnten Ausstellungshäuser wie die RömerWelt in Rheinbrohl oder das Landesmuseum Koblenz ihre Konzepte durch integrierte Themengärten, originalgetreue Kelter-
Nachbauten und erlebnisorientierte Weinbergswanderungen bereichern. Durch zielgerichtete Verkostungen historischer Spezialitäten wie des römischen Honigweins „Mulsum“ ließe sich die zweitausendjährige Weinkultur für Besucher händisch und geschmacklich erlebbar machen. Die Arbeit liefert damit wertvolle und hochmoderne Impulse, um das touristische Profil des Mittelrheins
nachhaltig zu schärfen.

