Dass Bundeskanzler Friedrich Merz schon vorab Magdeburg mit Bundeszwang droht, weil es im Grundgesetz die Pflicht zur Bundestreue gebe, lädt auf Anhieb zur Überlegung ein, die CDU-Bundesspitze könnte sich schon darauf eingestellt haben, es werde genug Überläufer aus der CDU geben, die der AfD in Sachsen-Anhalt zur Regierungsmehrheit verhelfen würden. Schließlich wäre das ja auch das Beste für Ulrich Siegmund, denn Überläufer, also „Verräter“ aus der CDU sind verbrannt und es gibt für sie keinen Weg zurück, so dass Siegmund sich auf sie verlassen könnte.

Aber dagegen spricht, dass die AfD bei der Landtagswahl letztlich zu erfolgreich war. Denn in der sachsen-anhaltischen CDU ist eine Koalition oder irgendwie geartete Kooperation ihrer Partei mit der Linken für etliche Mitglieder und somit auch neue Abgeordnete eine rote Linie. Das Wahlergebnis lässt aber eine Zusammenarbeit von CDU, SPD, Grünen und Linken überhaupt nicht zu, weil es dazu, um eine Mehrheit zu haben, zusätzlich des Mitwirkens des BSW bedürfte, was von dieser Seite definitiv nicht zu erwarten ist. Damit kann die rote Linie für die rechten Christdemokraten gar nicht überschritten werden, so dass für die Unterstützung der AfD aus den Reihen der CDU jedenfalls diese Motivation entfällt. Somit gibt es wohl drei Möglichkeiten: Neuwahlen oder ein Arrangement, eine deutlichere Annäherung zwischen AfD und BSW, wobei man in diesem Fall einfach nur abwarten kann, wie das dann aussähe. Oder aber doch die vom BSW favorisierte Expertenregierung, wofür sich in der SPD bundesweit offenbar Zustimmung abzeichnet. So meint etwa Alexander Schweitzer, der rheinland-pfälzische SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende, der auch stellvertretender Vorsitzender der SPD auf Bundesebene ist, damit könnte das Szenario eines AfD-Ministerpräsidenten noch abgewendet werden. Und auch die sachsen-anhaltischen Grünen öffnen sich für das BSW-Modell.