Lange Nacht bringt Alt und Jung in Neuwieder vhs zusammen

(Fotos: Felix Banaski):
Das Interesse an Politik ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark ausgeprägt. Während einige an Wahlabenden vor dem Fernseher oder Smartphone kleben und auf die nächste Hochrechnung warten, nehmen andere die Ergebnisse eher beiläufig zur Kenntnis. Was jedoch alle Menschen in unserem Land gleichermaßen angeht, ist die Demokratie. Die ist nämlich viel mehr als eine Wahl alle paar Jahre. Sie ist die Grundlage für das Zusammenleben in der Bundesrepublik Deutschland und für das gemeinsame Wertesystem unserer Gesellschaft. Deshalb richtet der Verband der Volkshochschulen RLP jedes Jahr die Lange Nacht der Demokratie aus. Bereits zum zweiten Mal in Folge hat sich auch die vhs Neuwied „Die Brücke“ am Aktionstag beteiligt und unter dem Motto „Zwischen Schutz und Stimme – Dialog der Generationen“ in den Amalie-Raiffeisen-Saal geladen.

Viele junge und ältere Menschen kamen im Amalie-Raiffeisen-Saal der Neuwieder Volkshochschule zusammen, um gemeinsam die Lange Nacht der Demokratie zu begehen.  (Fotos: Felix Banaski)

Um die Lange Nacht der Demokratie zu einer Dialogveranstaltung zu machen, hatte das Orga-Team um vhs-Programmbereichsleiterin Lyuba Kluge bei der Planung auf viele Beteiligungsformate gesetzt. So beschäftigte sich der Höhepunkt des Abends – eine Podiumsdiskussion an der neben Moderator Jannis Grabe Bürgermeister Peter Jung, Seniorenbeiratsmitglied Werner-Andreas Fortuna-Kaltenborn und der Berliner Aktivist Ludwig teilnahmen – vorwiegend mit Fragen und Gedankenanstößen, die aus den gut gefüllten Zuschauerreihen eingegeben wurden. Um in den „Dialog der Generationen“ einzuführen hatte Fortuna-Kaltenborn zunächst in einem Impulsvortrag seine Perspektive – und stellvertretend auch die seiner Generation – auf die Demokratie sowie aktuelle Herausforderungen und Möglichkeiten skizziert. Daraufhin meldete sich mit der 17-jährigen Zelal vom Werner-Heisenberg-Gymnasium eine junge Stimme zu Wort. Bürgermeister Peter Jung hatte im Anschluss bei dem Versuch, eine Synthese aus beiden Ansichten zu bilden, keine großen Schwierigkeiten – so offenkundig waren die Gemeinsamkeiten bei den Wünschen der Generationen: kein Krieg und eine starke, wertebasierte Demokratie mit Mitbestimmungsmöglichkeiten für alle Menschen, egal welchen Alters.

Natürlich waren Jung und Alt nicht immer einer Meinung – etwa beim Thema, ob das Wahlrecht ab 16 oder erst ab 18 Jahren ausgeübt werden sollte. Dennoch waren sich alle einig, dass junge Menschen an politischen Entscheidungen beteiligt und nach ihrer Meinung gefragt werden sollten – insbesondere, wenn es um die eigene Heimatstadt geht. Dass dies in Neuwied bereits in hohem Maße gegeben ist, machte Sonja Jensen deutlich. Die Koordinatorin der Kinderfreundlichen Kommune gab einen Überblick über Maßnahmen, die im Rahmen des Aktionsplanes angegangen und zu großen Teilen bereits umgesetzt werden konnten. Das Aushängeschild in Sachen Kinder- und Jugendbeteiligung in der Deichstadt ist sicherlich der Neuwieder Jugendbeirat. Seit mehr als 25 Jahren werden junge Menschen aktiv in die politische Gremienarbeit und Verwaltungsentscheidungen einbezogen – und das mit bemerkenswerten Erfolgen. So sind etwa das Jugendzentrum Big House oder der Skate-Park und der Streetball-Platz im Stadtpark hinter dem Icehouse auf Initiative der Kinder- und Jugendvertreter entstanden.

Der Abend unter dem Motto „Zwischen Schutz und Stimme – Dialog der Generationen“ bot reichlich Gelegenheit zum Austausch.  (Fotos: Felix Banaski):

Dass junge Neuwiederinnen und Neuwieder sich für die Demokratie engagieren, machte auch die Beteiligung der „Löwen mit Courage“ an der Langen Nacht deutlich. Der Schulclub setzt sich an der IGS Johanna Loewenherz aktiv für eine tolerante Schulgemeinschaft und gegen Ausgrenzung und Rassismus ein. Mit einem eigenen Info-Stand war auch der Neuwieder Seniorenbeirat vertreten, der in der Deichstadt bereits zahlreiche Projekte wie das Generationenkino oder den Bürgerbus ins Leben gerufen hat. Wer die Lange Nacht der Demokratie in der vhs besuchte, kam zudem kaum umhin, die Fotoausstellung „Altersleuchten“ zu bemerken. Diese hatte Ulrike Beuttler von den GemeindeschwesternPlus aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm mitgebracht, um zu demonstrieren, wie grundlegend falsch es ist, das Alter nur mit Krankheit und Schwäche zu assoziieren. Die gezeigten Fotografien portraitierten ältere Menschen, fröhlich, ausgelassen und voller Lebenslust. Für die musikalische Untermalung des Abends war die Musikschule Neuwied unter der Leitung von Martin Geiger zuständig. In verschiedenen Besetzungen brachten junge und erwachsene Menschen unterschiedliche Stücke auf die Bühne. Auch videografisch wurde die Lange Nacht begleitet. Zu diesem Zweck war der Offene Kanal (OK4) vor Ort und fing Stimmen von Teilnehmenden ein, die am Ende in Form einer großen Collage präsentiert wurden.

Bürgermeister Peter Jung zeigte sich mit dem Verlauf der Langen Nacht und dem großen Interesse aus der Stadtbevölkerung überaus zufrieden: „Demokratie lebt von Menschen, die sich einbringen, zuhören, diskutieren und Verantwortung übernehmen“, machte Jung deutlich. „Dass es in Neuwied eine große Zahl an Menschen aus allen Generationen und Gesellschaftsteilen gibt, denen unsere Demokratie am Herzen liegt, ist heute mehr als deutlich geworden.“