Stephan Amstad ist neuer kommunaler Gesamtkoordinator der Familiengrundschulzentren

Faire Teilhabe- und Bildungschancen gehören zwar eigentlich zu den zentralen Kinderrechten, in der gelebten Praxis sind sie aber keineswegs selbstverständlich. Das ist Stephan Amstad im Rahmen seiner langjährigen Tätigkeit im Kinder- und Jugendbüro der Stadt Neuwied an vielen Stellen deutlich geworden. Dabei ist für den studierten Sozialpädagogen klar: „Bildung und Teilhabe entscheiden in erheblichem Maße über die Zukunftschancen der Kinder in unserer Stadt. Genau aus diesem Grund ist die Verbesserung der Chancengerechtigkeit auch ein zentraler Bestandteil der grundlegenden Ausrichtung der städtischen Kinder- und Jugendförderung.“ Mit der Einrichtung von drei Familiengrundschulzentren (FGZ) – an der Marienschule, der Sonnenlandschule sowie der Geschwister-Scholl-Schule – geht Neuwied nun konsequent den nächsten Schritt, um allen Kindern in der Deichstadt faire Bildungschancen zu ermöglichen. Als Gesamtkoordinator für die neuen FGZ übernimmt Amstad bei diesem wegweisenden Zukunftsprojekt die Federführung.

20 Jahre Erfahrung in der Neuwieder Kinder- und Jugendförderung

Seit 20 Jahren ist Stephan Amstad im Stadtjugendamt im Bereich der Offenen Jugendarbeit und der Interkulturellen Öffnung tätig und hat insbesondere in den Stadtteilen Innenstadt und Heddesdorf viele junge Menschen beim Aufwachsen begleitet. Das Thema Bildung ist eines, das ihn dabei durchgehend beschäftigt hat: „Gerade in der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass unser System nur noch bedingt funktional ist“, macht der Sozialpädagoge deutlich. „Deshalb haben wir damit begonnen, neue Systeme und Strukturen aufzubauen.“ Ganz konkret ist im Laufe der Jahre ein großes Netzwerk an Kooperationspartnern entstanden, mit denen das Stadtjugendamt zahlreiche niederschwellige Angebote und Projekte im Bereich der Bildungsförderung entwickeln und verstetigen konnte. Hieraus ist schließlich unter anderem auch der „Neuwieder Weg“ hervorgegangen. „Dabei handelt es sich um ein dauerhaftes Förderprogramm, das von den Kindern und Familien aus denkt, um diese gezielt und bedarfsgerecht zu unterstützen und gemeinsam mit zahlreichen lokalen Akteuren ausgestaltet wird“, erklärt Amstad das innovative Vorgehen der Deichstadt im Bereich der Kinder- und Jugendförderung. „Grundlage hierfür war das Bundesförderprogramm „Zukunftspaket“ – dieses war aber befristet. In Neuwied wollten wir die Maßnahmen jedoch möglichst verstetigen.“ So konnte der Sozialpädagoge in Zusammenarbeit mit den Neuwieder Grundschulen, die jetzt FGZ-Schulen sind, verschiedene Grundsteine legen, die nun in den gemeinsamen Ausgestaltungsprozess einfließen können.

Stephan Amstad ist bereits seit 20 Jahren in der Neuwieder Kinder- und Jugendförderung tätig. Jetzt ist er für die Gesamtkoordination der drei kommunalen Familiengrundschulzentren zuständig.  Foto: Felix Banaski

Was steckt hinter den Familiengrundschulzentren?

Durch das Startchancenprogramm des Bundes und mit der Unterstützung des Bildungsministeriums RLP ist es möglich geworden, in der Neuwieder Innenstadt und in Heddesdorf insgesamt drei Familiengrundschulzentren aufzubauen. „Unsere Familiengrundschulzentren sollen multiprofessionelle Orte in der Schule sein, die zukünftig die Chancen für alle Kinder, insbesondere für diejenigen mit benachteiligten Startbedingungen, verbessern und auch ihre Familien niederschwellig einbeziehen und unterstützen sollen“, fasst der Sozialpädagoge die Grundidee hinter den FGZ zusammen. Konkret soll es neben Bildungsangeboten wie etwa Hausaufgabenhilfen, auch Beratungs- und Orientierungsangebote sowie soziokulturelle Projekte wie Elterncafés geben. Damit die drei Neuwieder Grundschulen zu echten Knotenpunkten im Sozialraum werden, sind auch Kooperationen mit Vereinen und unterschiedlichen lokalen Institutionen vorgesehen.

Nachdem Stephan Amstad im Rahmen seiner Tätigkeit in der Kinder- und Jugendförderung den Prozess, der jetzt in das Projekt Familiengrundschulzentren gemündet ist, von Beginn an so tatkräftig mitentwickelt hat, war für ihn und alle Beteiligten klar, dass er die angestoßene Entwicklung auch weiterhin begleiten soll. Mit der neuen Rolle als Gesamtkoordinator gehen für ihn natürlich auch Änderungen im Arbeitsalltag einher: Zwar bleiben ihm sein gewohntes Arbeitsumfeld und seine Kolleginnen und Kollegen im Kinder- und Jugendbüro erhalten, dafür steht er jetzt öfter mit Ministerien, Stiftungen und Universitäten im Austausch, fährt zu Fachausschüssen in andere Städte und nimmt an überregionalen Erfahrungsaustauschen und Netzwerktreffen teil. „Das ist eine total spannende Perspektivenerweiterung, wenn man sieht, welche Unterstützungsformate seitens des Landes bereits aufgebaut wurden und wie andere Kommunen das Programm umsetzen“, ist Amstad beeindruckt. Doch der Sozialpädagoge weiß auch, was er an seinem Arbeitsumfeld in Neuwied schätzt: „Es ist wirklich toll, in einer Stadt zu arbeiten, in der ein breites Verständnis dafür vorhanden ist, dass wir diese zusätzlichen Bildungs- und Förderungsangebote brauchen und es viele engagierte Akteure gibt, die aktiv daran mitarbeiten, unsere Strategie als kinderfreundliche Kommune fortwährend umzusetzen.“